Ärzte Zeitung, 11.10.2012

Krebs-Infodienst

Jetzt sind die Ärzte dran

Per Telefon, Mail oder Facebook: Der Krebsinformationsdienst adressiert sich bislang vor allem an Patienten. Nun will sich der KID mehr an Bedürfnissen von Ärzten ausrichten.

Von Marion Lisson

Krebs-Infodienst nimmt stärker Ärzte in Blick

Mitarbeiter in einem Callcenter: 26000 Menschen haben sich im vergangenen Jahr an den Krebsinformationsdienst gewandt.

© Sascha Deforth / Fotolia.com

HEIDELBERG. Niedergelassene Ärzte sollten Krebspatienten verstärkt auf die Hotline des Krebsinformationsdienstes (KID) des Deutschen Krebsforschungszentrums aufmerksam machen.

Sie sollten ihn darüber hinaus auch selbst mehr als bisher nutzen. Diesen Aufruf haben Dr. Regine Hagmann, KID-Leiterin, und Andrea Gaiser, Ärztin beim KID, gestartet.

Ob per Telefon, E-Mail oder Facebook - bundesweit hilft der KID bislang Patienten und Angehörigen, sich in der wachsenden Informationsflut zum Thema Krebs zu orientieren.

"Die Diagnose Krebs löst bei den Betroffenen Gefühle wie Angst und Schock, aber auch Fragen über Fragen aus", sagt Gaiser. Die Patienten wollten alles über die Erkrankung, deren Behandlung und Heilungschancen wissen.

Typische Fragen sind: Wo finde ich die beste Behandlung? Was für Nebenwirkungen habe ich zu erwarten? Wie wird sich die Krankheit auf mein Leben auswirken? Was gibt es für alternative Methoden?

"Erste und wichtigste Ansprechpartner der Krebspatienten sind stets die behandelnden Ärzte", sagt Gaiser.

Orientierung für das Internet-Wissen

Aber nicht alles, was ein Arzt sage, könnten sich Patienten in einer solch belastenden Situation merken. Andere Fragen fallen ihn erst zu Hause ein. Hier hilft ein Anruf beim KID.

"Das wiederum kann Ärzte in den Praxen entlasten", so die Medizinerin. Über 80 Prozent der Deutschen suchten im Internet nach Gesundheitsinformationen. 74 Millionen Zugriffe haben die DKFZ-Wissenschaftler 2011 auf ihren Internetseiten ermittelt.

Die meisten Patienten wollten über ihre Funde nochmals sprechen. "Eine Orientierung in der Internet-Infolandschaft ist für medizinische Laien schwierig", sagt Gaiser.

Über 26.000 Menschen haben im vergangenen Jahr beim KID unter der kostenlosen Nummer 0800/4203040 angerufen. 4400 Betroffene oder Angehörige suchten darüber hinaus den Kontakt per E-Mail.

Innerhalb von zwei Tagen - so lautet die hausinterne Vorgabe - werden die Anfragen beantwortet. Seit diesem Jahr kann man KID auch über Facebook kontaktieren.

18 Minuten dauert ein Gespräch beim KID im Durchschnitt. Am Freitagabend oder Sonntag ist auch schon einmal eine Stunde nötig, bis alle Fragen beantwortet sind.

Oft rufen bei KID Patienten an, die ihren Arztbrief vor sich liegen haben oder Abkürzungen nicht verstehen. Auch spezielle Fragen, so über die "Elektrochemotherapie bei Hautmetastasen" können besprochen werden.

Befragung unter Ärzten gestartet

"Wir vermitteln an die betroffenen Patienten nicht nur nackte Informationen, sondern gehen auch auf individuelle Probleme ein," berichtet die KID-Leiterin Dr. Regine Hagmann.

Grundsätzlich betone man in diesen Gesprächen, dass das Gesagte mit dem behandelnden Haus- oder Facharzt besprochen werden solle.

"Den Onko-Lotsen können und wollen wir nicht ersetzen", stellen Hagmann und Gaiser klar. Ihrer Erfahrung nach profitieren niedergelassene Ärzte von diesen informierten Patienten.

Diese hätten nicht nur realistischere Erwartungen im Zusammenhang mit der Behandlung, sondern würden auch seltener Therapien abbrechen.

"Es wäre hilfreich, wenn niedergelassene Ärzte in ihren Wartezimmern unsere Flyer mit unseren Kontaktdaten auslegen", wünscht sich KID-Chefin Hagmann. Diese Infoblätter können beim DKFZ bestellt oder im Internet heruntergeladen werden.

Nutzer des KID sind bislang in erster Linie Patienten und ihre Angehörigen. Ärzte und andere Leistungserbringer machen bislang nur fünf Prozent der Kontakte aus.

Das soll sich ändern: Welchen Bedarf niedergelassene Ärzte an Krebsinformation haben, hat die Prognos AG in einer Befragung im Auftrag des KID ermittelt. Die Angebote sollen verstärkt auf die Bedürfnisse von Fachkreisen abgestimmt werden.

Dabei hat man Allgemeinärzte, hausärztlich tätige Internisten, Gynäkologen, Urologen sowie psychotherapeutisch Tätige, die in ihrer Praxis auch Krebspatienten behandeln, im Blick.

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