Ärzte Zeitung, 29.04.2013

Männer und Prävention

Kurze Anrede, langfristiger Vorsorgeerfolg?

BAD HOMBURG. Wie spricht man Männer an, wenn es um Vorsorge geht? Dieses Thema griff die Deutsche Gesellschaft für Mann und Gesundheit auf ihrem Jahreskongress in Bad Homburg auf. "Ran an den Mann!", riet etwa Simone Widhalm, Fachfrau für Gesundheitskommunikation aus Düsseldorf.

In einer empirischen Studie versuchte Widhalm herauszufinden, wie Männer zwischen 28 und Ende 50 Gesundheitsthemen nahegebracht werden können. "Prinzipiell sind Männer für Präventionsangebote nur schwer zu motivieren."

Die Bereitschaft, in Gesundheit zu investieren, sei gering. Und auch mit drastischen Drohungen erreiche man bei Männern nicht viel. "Bei Fotos von Raucherlungen auf Zigarettenpäckchen schauen viele einfach weg." Männer bevorzugten seriöse, kurze und bündige Infos, was bei Aufklärungsmaterialien wie Broschüren oder Flyern berücksichtigt werden sollte.

Tipp: Nicht über Krankheiten sprechen

Männer bevorzugten im Gespräch mit Ärzten emotionale Distanz und eine sachliche Ebene, so Sabine Neuwirth vom Büro "München-Coaching". Außerhalb des Sprechzimmers, etwa an der Rezepetion, dürfe es gerne etwas persönlicher werden.

Die MFA seien auch in der Männerarztpraxis wichtige Ansprechpartnerinnen. Sie rät, im Arzt-Patientengespräch nicht über Krankheiten zu sprechen, sondern über Gesundheit. "Welcher Mann will schon schwach sein?", so die Praxisberaterin.

Ähnlich argumentierte auch Anne Maria Möller-Leimkühler, Professorin an der Psychiatrischen Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Ärzte sollten bei männlichen Patienten auf selbst-verantwortliches Verhalten und kognitive Hilfsangebote setzen.

Statt Defizite anzusprechen, sei es oft leichter, mit Männern über Leistungsüberforderungen zu sprechen. Dies könnten Ärzte in der Praxis nutzen. (ine)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Kapitulation nicht nötig

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich
[29.04.2013, 09:59:47]
Dr. Uwe Wolfgang Popert 
Nachweis für Nutzen fehlt
Wenn man etwas verkaufen will, sollte man einen Nutzen zeigen können. Zumindest für den PSA-Wert fehlt der aber: im günstigsten Falle stirbt von 1000 gescreenten Männern einer nicht an Prostata-CA - aber zum gleichen Zeitpunkt. Also keine Lebensverlängerung, dafür aber viele zusätzliche Operationen, Bestrahlungen, Impotenzen und Inkontinenzen.
Ist das sinnvoll?
Bleibt noch die Option, mit eifrigen Vorsorgen wenigstens die überzähligen Urologen zu retten. Aber ob das bei beginnendem Ärztemangel wirklich eine gesellschaftlich wünschenswerte Alternative ist? zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

"Manche Wortwahl irritiert mich sehr"

Gesundheitsminister Spahn wird wegen des TSVG von Ärzten kritisiert. Im Interview mit der "Ärzte Zeitung" betont er: Es wird mit Falschinformationen Stimmung gemacht. mehr »

Galenus-Gala 2018 – Das sind die Gewinner

Was zeichnet innovative Arzneimittelforschung aus? Vier Medikamente und eine Forschergruppe erhalten den Galenus-von-Pergamon-Preis 2018. Für beispielhaftes soziales Engagement wurde zudem der CharityAward verliehen. mehr »

Stammzelltherapie stoppt aggressive MS

Je früher, desto wirksamer – auch bei der autologen Stammzelltransplantation: Die Aktivität der Multiplen Sklerose lässt sich wohl komplett unterbinden, wenn die Methode als First-line-Therapie eingesetzt wird. mehr »