Ärzte Zeitung online, 25.07.2013

Masern

KBV bei Impfpflicht skeptisch

Große Lücken klaffen beim Impfschutz gegen Masern in Deutschland. Hilft eine Impfpflicht, wie sie von einigen Politikern gefordert wird? Für KBV-Vize Regina Feldmann sind zuerst die Ärzte gefordert.

Impfpflicht ist für KBV nicht die erste Wahl

Impfpflicht nicht die erste Wahl: KBV-Vize Feldmann.

© Bild13 / imago

NEU-ISENBURG. Eine Impfpflicht ist für KBV-Vize Regina Feldmann nicht die erste Wahl, um die Lücken im Impfschutz gegen Masern zu schließen.

Nur ein Drittel der Kinder erhält bis zum zweiten Geburtstag die Doppelimpfung gegen Masern, zeigen Daten der KVen.

"Eine Pflicht sollte nicht am Anfang stehen", sagt Feldmann im Videointerview mit "kv-on", dem digitalen Nachrichtenkanal der KBV. Vielmehr sollten Ärzte, der Öffentliche Gesundheitsdienst und die Medien mehr über Impfung und Erkrankung aufklären.

"Ich glaube, Menschen reagieren auf die direkte Ansprache besser und vernünftiger als auf eine Verpflichtung", argumentiert Feldmann.

Eine weitere Alternative: Mehr Kontrollen. "Ich könnte mir vorstellen, dass eine Aufnahme in eine Kindertagesstätte oder in die Schule nicht erfolgen kann, wenn der Impfstatus nicht vollständig ist", erläutert Feldmann.

Sie appellierte vor allem an Hausärzte und Pädiater, bei Kindern und Jugendlichen besonders auf den Impfstatus zu achten.

Gerade Hausärzte sollten bei Jugendlichen und Erwachsenen prüfen, ob alle Impfungen erfolgt seien.

Bei Patienten, die keine Impfung nachweisen können, etwa weil sie ihren Impfpass verloren haben, sollten Ärzte die Antikörper bestimmen, um den Impfschutz zu prüfen, rät die KBV-Vize.

Dennoch sieht sie in einer Impfpflicht auch Vorteile. "Eine Pflicht kann sinnvoll sein, um diejenigen zu schützen, die sich nicht impfen lassen können, und dann durch nicht geimpfte Kinder erkranken."

Seit einigen Wochen wird von Politikern, darunter auch Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP), eine Impfpflicht diskutiert.

Hintergrund ist, dass Deutschland bis 2015 die Masern eliminieren will. Doch die Bundesrepublik verfehlt die Vorgabe der Weltgesundheitsorganisation seit Jahren. (jvb)

[25.07.2013, 10:11:30]
Dr. Heike Perlitz 
Antikörperbestimmung bei fehlendem Impfnachweis
Ich stimme Frau Feldmann zu, dass eine Impfpflicht nicht die erste Wahl sein kann, um Impflücken zu schließen.
Mit der Impfpflicht erreicht man keinen Impfgegner und Impfkritiker sind einer direkten Ansprache eher zugänglich, als einer Verpflichtung.
Aber was soll das "Antikörper bestimmen um den Impfschutz zu prüfen", Frau Feldmann dass ist nicht korrekt. Die STIKO empfiehlt ganz klar : Keine ! Antikörperbestimmung zur Überprüfung des Impfschutzes, dies sollte nur im Einzelfall bei bestimmten Risikogruppen (z.B. bei HepB) oder bei immundefizienten Personen erfolgen.
Ansonsten gilt "nicht dokumentiert ist nicht geimpft"
In diesem Sinne im Zweifelsfall: Impfen.
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