Ärzte Zeitung, 09.12.2013

Nahrungsergänzung

Im Alter zu viel Magnesium und Vitamin E

NEUHERBERG. Viele ältere Menschen nehmen mit Nahrungsergänzungsmitteln deutlich zu viel Magnesium und Vitamin E zu sich, berichten Forscher des Helmholtz Zentrums München (Journal of Nutrition, Health and Aging 2013; online November).

Sie haben Daten der KORA-Age- Studie analysiert, die Zusammenhänge von Lebensstil und Gesundheit bei über 64-Jährigen im Raum Augsburg untersucht.

Dabei ergab sich, dass die aufgenommenen Mengen an Magnesium und Vitamin E die von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit angegebenen tolerierbaren Tageshöchstmengen oft überschreiten.

Insgesamt nahmen etwa 54 Prozent der Frauen und 34 Prozent der Männer über 64 Jahre ergänzende Nährstoffe, wie Vitamine, Mineralstoffe oder sonstige Stoffe (etwa Omega-3 Fettsäuren oder Coenzym Q10) in Form von Supplementen (Nahrungsergänzungsmittel oder Arzneimittel) ein.

Die Einnahmehäufigkeit hing dabei neben dem Geschlecht auch mit der Bildung, der körperlichen Aktivität, dem Rauchverhalten und dem Vorliegen einer neurologischen Erkrankung zusammen.

Ergebnis: Bei Frauen sind die am häufigsten supplementierten Inhaltsstoffe Magnesium und Vitamin D, bei den Männern sind es Magnesium und Vitamin E, heißt es in einer Mitteilung des Helmholtz-Zentrums.

Für beide Geschlechter wurde beobachtet, dass die zugeführten Dosen an Magnesium und Vitamin E dabei die von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit angegebenen tolerierbaren Tageshöchstmengen häufig überschreiten.

Bei 20 Prozent der weiblichen und bei 33 Prozent der männlichen Teilnehmer, die regelmäßig Magnesium einnehmen und bei 8 und 14 Prozent der Teilnehmer, die Vitamin E regelmäßig zuführen, waren die verabreichten Supplement-Mengen zu hoch.

Vitamin D dagegen, dessen Supplementation in dieser Altersgruppe häufig medizinisch empfohlen wird, da es unter anderem den Knochenstoffwechsel positiv beeinflusst, wurde insgesamt von relativ wenigen alten Menschen eingenommen, berichten die Wissenschaftler.

"Aktuelle und bevölkerungsbasierte Daten zur Einnahme von Supplementen bei älteren Menschen fehlen weitgehend für Europa. Dennoch ist diese Bevölkerungsgruppe aufgrund von altersbedingten Nährstoffdefiziten von besonderem Interesse", so Professor Annette Peters, Direktorin des Instituts für Epidemiologie II an dem Zentrum, in der Mitteilung.

"Einen großen Einfluss bei der Auswahl der Präparate scheinen Industrie und Werbung zu haben. Ergebnisse wie diese sind daher wichtig, um sinnvolle Empfehlungen zur Nahrungsergänzung im Alter abgeben zu können."

Die KORA-Age Studie hat zum Ziel, Faktoren für ein gesundes und zufriedenes Altern zu identifizieren und die aktive Teilnahme älterer Menschen am gesellschaftlichen Leben zu unterstützen. (eb)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich
[30.12.2013, 11:23:00]
Dr. Wolfgang Jalinski 
Vitamin E nutzlos ?
Ständig wird nur von Vitamin E, vermutlich als alpha- Tocopherol gesprochen. Aber von dem Vitamin E gibt es mehrere Varianten wie zum Beispiel den Tocotrienolen. Welches Vitamin E ist denn gemeint,wenn behauptet wird, es wäre nachweislich ohne Nutzen? zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Grippe-Impfsaison noch lange nicht vorbei!

Kein Land Europas erreicht die Influenza-Impfziele der WHO. Jetzt vor der Grippewelle appellieren Experten daher an Ärzte, noch möglichst viele Patienten zu schützen. mehr »

Wenn Insulin zum fetten Problem wird

Schon leicht erhöhte Insulinspiegel können offenbar Adipositas sehr stark fördern. Forscher haben sich den Zusammenhang angeschaut und empfehlen Intervallfasten – mit einer Einschränkung. mehr »

Musiktherapie tut Krebskranken gut – zumindest kurzfristig

Ein Bericht für das IQWiG bescheinigt der Musiktherapie kurzfristigen Nutzen im Vergleich zur Routineversorgung bei Angst, Depression und Stress. Zur Bewertung von Langfrist-Effekten fehlen aber Daten. mehr »