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Ärzte Zeitung online, 03.07.2014

DAK-Report

10.000 Schlaganfälle sind vermeidbar

Mit Prävention lassen sich jährlich etwa 10.000 Schlaganfälle verhindern, meint die DAK-Gesundheit. Damit könnte die GKV rund 430 Millionen Euro einsparen, hat die Kasse errechnet.

10.000 Schlaganfälle sind vermeidbar

Schlaganfall: Jeder fünfte Patient überlebt das erste Jahr nach dem Ereignis nicht.

© Arteria Photography

BERLIN. Rund 10.000 Schlaganfälle im Jahr könnten verhindert, rund 430 Millionen Euro zu Gunsten der gesetzlichen Krankenversicherung gespart werden: Zu diesem Ergebnis kommt der "Versorgungsreport Schlaganfall", den das Berliner IGES-Institut erstmals im Auftrag und mit Daten der DAK-Gesundheit erstellt hat.

Allein 9400 Schlaganfälle könnten durch eine konsequentere Diagnose und Behandlung von Vorhofflimmern verhindert werden, sagte IGES-Geschäftsführer Dr. Hans Dieter Nolting bei der Vorstellung des Berichts am Donnerstag in Berlin.

Dieses wichtige Signal werde Studien zufolge allerdings nur bei etwa zwei Dritteln der Betroffenen entdeckt. Nach der Diagnose würde zudem nur die Hälfte der Patienten regelgerecht mit oralen Antikoagulanzien behandelt.

Der Praxistipp vom Ärztlichen Direktor der Helios-Kliniken, Professor Bernd Frank: Konsequente Einhaltung der DEGAM-Leitlinie. Dazu gehöre, bei allen Patienten über 65 den Puls zu ertasten und bei Auffälligkeiten ein EKG zu veranlassen. Wichtig sei zudem eine leitliniengerechte Arzneimitteltherapie.

Jeder siebte Schlaganfallpatient stirbt in Klinik

Verstopfte Arterien im Gehirn sind die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Jeder siebte Schlaganfallpatient stirbt noch im Krankenhaus. 20 Prozent überleben das erste Jahr nach dem Ereignis nicht.

Etwa 300.000 Schlaganfälle und 100.000 transitorische ischämische Attacken (TIA) zählt die auf Klinikdaten beruhende Statistik.

Darin sind auch Wiederholungen enthalten. Neueren Berechnungen des IGES-Instituts sind 154.000 Menschen im Jahr erstmals von Hirninfarkten und Einblutungen sowie 84.000 von TIAs betroffen.

Einer Analyse des Erlanger Schlaganfall-Registers zufolge verursacht ein Hirninfarkt im ersten Jahr Behandlungskosten von durchschnittlich 15.000 Euro, auf die gesamte verbleibende Lebenszeit gerechnet rund 43.000 Euro.

Ihre Daten dürfen die Kassen bislang kaum dazu nutzen, um Ärzte und Patienten direkt auf Versorgungsdefizite anzusprechen. "Wir wünschen uns etwas mehr Handlungsspielraum, um Patienten gezielter versorgen zu können", sagte DAK-Chef Professor Herbert Rebscher. Vorbild könnten die DMP-Programme sein.

Im Koalitionsvertrag haben Union und SPD angekündigt, Routinedaten für Versorgungsforschung und -management der Kassen "verfügbarer" zu machen. (af)

[05.07.2014, 11:43:07]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Ewiges IGES- und DAK-Gesundheit Geheimnis?
Wenn laut Klinikdaten jährlich etwa 300.000 Schlaganfälle und 100.000 transitorische ischämische Attacken (TIA) in Deutschland behandelt werden müssen, ist die Prävention von 10.000 Schlaganfällen nicht mehr als der sprichwörtliche "Tropfen auf den heißen Stein".

Wie allerdings von diesen 10.000 vermeidbaren Fällen allein 9400 Schlaganfälle durch eine konsequentere Diagnose und Behandlung von Vorhofflimmern verhindert werden können und was es mit restlichen 600 auf sich hat, bleibt ein ewiges IGES- und DAK-Gesundheit Geheimnis.

Schlaganfälle primärpräventiv zu verhindern, hieße in erster Linie mit dem Rauchen, Saufen, Fressen und mit der "all-you-can eat"- bzw. "flatrate"-Mentalität aufzuhören. Sport und Bewegung im Alltag, Vermeidung von Fehl- und Mangelernährung und der Kampf gegen das metabolische Syndrom gehören noch dazu. Das konsekutive Vorhofflimmern ist eher ein "Luxusproblem".

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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[03.07.2014, 20:23:29]
Chris Bunzek 
Gut gemeint, schlecht gemacht
Die Diagnostik, zumindest die Basisdiagnostik wird auf Hausarztebene gemacht. Es sind die Hausärzte, welche die meisten Patienten erreichen. Hausärzte sind i.d.R. "Fachärzte für Allgemeinmedizin" und nicht, wie die Arroganz anderer "Kollegen" es durch die Differenzierung zwischen "Fachärzten" und "Hausärzten", irgendwelche Hilfsmediziner, deren Aufgabe es ist, Patienten den sog. Fachärzten zu überweisen.
Im Gegenzug dazu, betrachte ich die fachspezifischen Ärzte als Unterstützer meiner Arbeit, welche durch die Obmänner der KV behindert wird. Der meist vorhandene Tunnelblick verhindert zu oft eine ganzheitliche Therapie und Präventionsmaßnahmen.

Würde mehr Geld in die Prävention fliessen, käme es zu deutlich weniger dramatischen Krankheitsverläufen, aber dies würde unsere "Fachärzte" (nicht nur) pekunär entlasten - und dies rückwirkend betrachtet nun mal nicht erwünscht. Unser Gesundheitssystem und ganz besonders das Leben jedes direkt sowie indirekt Betroffenen würde durch Prävention um ein Vielfaches entlastet werden.

Daher aus meiner Sicht - viel blabla, es wird sich mal wieder nicht das ändern, was geändert werden muss. Solange ein Kardiologe das 6-fache eines Allgemeinmediziners für ein LZ-EKG erhält, welches beide im selben Labor auswerten lassen und die Wartezeit beim Kardiologen dafür das 10-fache beträgt, solange kann ich eine Absicht zur Prävention in keinster Weise ernst nehmen. zum Beitrag »
[03.07.2014, 17:01:21]
Karl-Georg Vaith 
Die Praevention des Apoplex...........
Es wird Zeit, dass die Prävention und Prophylaxe des Apoplex in den Vordergrund gerückt wird.
Warum soll man auch abwarten bis der Hirninfarkt eintritt.
Mit der richtigen Vorsorge der gefährdeten Pat. wird das Risiko deutlich verringert, was auch die Akut- und Folgekosten des Schlaganfalles mit
430 Millionenn Euro verringert.

"Wie kann ich einen Schlaganfall verhindern ?"

Das ist die wichtigste Frage an den Pat.!

Denn nur so können Therapiekosten reduziert werden, um damit die nicht vorhandene Rendite zu erhöhen.  zum Beitrag »

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