Ärzte Zeitung, 20.04.2015

Kritik am Hautkrebsscreening

Dermatologen gehen gegen TV-Sendung vor

In der ARD-Sendung "Kontraste" war vergangene Woche scharfe Kritik am Hautkrebsscreening laut geworden. Der Berufsverband Deutscher Dermatologen geht jetzt auf die Barrikaden: Er will Beschwerde beim Rundfunkrat einlegen.

BERLIN. Der Berufsverband Deutscher Dermatologen (BVDD) will beim Deutschen Rundfunkrat Beschwerde gegen die "Kontraste"-Sendung zum Hautkrebsscreening am 16. April einlegen.

"Die Inhalte des Beitrags zum Hautkrebsscreening werden Thema im deutschen Rundfunkrat sein", sagte Verbandssprecher Dr. Ralph von Kiedrowski am Montag der "Ärzte Zeitung". Auch Krankenkassen und weitere vom RBB interviewte Personen würden sich aller Voraussicht nach der Beschwerde anschließen, sagte Kiedrowski.

Ergebnis: "katastrophal"

Die Autorin des Beitrags, Ursel Sieber, hatte den Nutzen des Hautkrebsscreenings in Zweifel gezogen. Sie bezog sich auf einen Bericht des "BQS Institut für Qualität und Patientensicherheit", der seit rund einem Jahr beim Gemeinsamen Bundesausschuss vorliegt und dort seither offenbar kontrovers beraten wird.

"Kontraste" interpretiert das Ergebnis als "katastrophal". 200 Millionen Euro gäben die Kassen im Jahr für die Vorsorgeuntersuchungen aus, von denen allerdings vor allem die Ärzte profitierten.

An den Folgen maligner Melanome würden heute genausoviele Menschen wie vor Einführung des Screenings sterben, wird ein Professor aus Zürich zitiert.

Kiedrowski zweifelt, ob sich aus dem bislang unveröffentlichten Bericht solche Rückschlüsse überhaupt ziehen lassen können. Der Bericht könne lediglich Daten zur Prozessgenauigkeit liefern.

Die Sterblichkeit sei tatsächlich so hoch wie 2007, allerdings verdoppele sich die Erkrankungsrate bei Hautkrebs alle zehn Jahre. Eine gleichbleibende Sterblichkeit bei einer erhöhten Inzidenz sei kein negatives Signal für ein Hautkrebsrisiko.

"In dem Beitrag wurden alle Argumente für das Screening weggelassen", klagte Kiedrowski. Dazu zählten auch Aussagen des Leiters des Krebsregisters Schleswig-Holstein, Professor Alexander Katalinic, und zahlreiche Stellungnahmen von gesetzlichen Krankenkassen. (af)

[21.04.2015, 10:08:44]
Dr. Wolfgang Bensch 
WIe steht es um die Meinungsfreiheit?
Eine Riesenchance für den Berufsverband sich kräftig zu blamieren! zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Merkel beansprucht Führung weiter für sich

Drastische Einbußen, aber immer noch vorn: Die Wähler versetzen der Union einen Kinnhaken. Die große Koalition scheint passé. Auch die Umfrageteilnehmer der "Ärzte Zeitung" hatten bereits im Vorfeld eine neue "GroKo" abgelehnt. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »