Ärzte Zeitung, 16.06.2015

Kommentar

Da lachen ja die Hühner

Von Wolfgang Geissel

"Einen so massiven Masernausbruch wie dieses Jahr darf es in Deutschland nicht mehr geben", hat der CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn am Wochenende betont.

Um solche Ausbrüche in Zukunft zu verhindern, hat die Koalition jetzt Neuregelungen als Änderungen zum Präventionsgesetz vorgestellt, die für "mehr Verbindlichkeit beim Impfen" sorgen sollen.

Kernstück ist die verpflichtende Impfberatung für Eltern von Kindern, bei denen die Aufnahme in eine Kita oder Schule ansteht. Eltern ohne einen Beratungsnachweis wird hier sogar ein Bußgeld angedroht.

Eine Impfpflicht bei Aufnahme in eine öffentliche Einrichtung ist zwar vom Tisch. Doch sollen ungeimpfte Kinder befristet von einer Gemeinschaftseinrichtung ausgeschlossen werden, wenn es dort Masern gibt.

Neu ist diese Regelung nicht: Selbst in impfkritischen Walldorfschulen werden Ungeimpfte bei Ausbrüchen ausgeschlossen. Schwerer wiegt jedoch die Ignoranz bei einer der wichtigsten Ursachen von Masernausbrüchen in Deutschland: die großen Impflücken bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

Diese Altersgruppen stellen seit Jahren die meisten Masernkranken hierzulande. Ohne zusätzliche Impf-Anstrengungen für diese Zielgruppen wird es auch weiter massive Masernausbrüche in Deutschland geben.

Lesen Sie dazu auch:
Kita-Verbot für Ungeimpfte: Impfpläne gehen Pädiatern nicht weit genug

[16.06.2015, 11:35:36]
Dr. Berthold Neu 
Selbstbestimmungsrecht vs. Gemeinschaftsinteresse
Impfen gegen Willen der Eltern verboten.
Beschneiden mit Willen der Eltern erlaubt.
Wie das Recht doch so flexibel ist. zum Beitrag »

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