Ärzte Zeitung online, 13.10.2015

Häufige Todesursache

Thromboembolien - unterschätzte Gefahr

An Venenthrombosen und Lungenembolien sterben jedes Jahr mehr Menschen als durch Unfälle, Aids, Prostata- und Brustkrebs zusammen. Experten fordern anlässlich des Welt-Thrombose-Tags mehr Aufklärung in der Bevölkerung - auch durch Ärzte.

Von Susanne Werner

BERLIN. Jährlich sterben 40.000 bis zu 100.000 Menschen in Deutschland an einer venösen Thromboembolie (VTE). Weltweit sind es mindestens drei Millionen Todesfälle.

Darauf verwies Stavros Konstantinides, Professor am Uniklinikum Mainz, anlässlich des Welt-Thrombose-Tages am Dienstag. Konstantides betonte, dass ältere und bettlägrige Patienten, aber auch Schwangere gefährdet seien.

"Mit der richtigen Prophylaxe können Lungenembolien vermieden werden. Sie sind auch heilbar, wenn sie rechtzeitig erkannt und behandelt werden", betonte Konstantinides.

Schlaganfall deutlich bekannter

Trotz der weiten Verbreitung der Erkrankung aber sei das Wissen in der Bevölkerung um die Gefahren und Risiken für die Gesundheit erschreckend gering. So können drei Viertel aller Deutschen beispielsweise nicht sagen, welche Anzeichen auf eine Lungenembolie hindeuteten.

Nur 46 Prozent der Deutschen hätten bereits von einer Lungenembolie gehört. Wissen und Bekanntheitsgrad anderer Krankheiten wie etwa Schlaganfall oder Brustkrebs liegen bei 80 Prozent.

Mit dem Welt-Thrombose-Tag, den die internationale Gesellschaft für Thrombose und Hämostase 2014 erstmals ausgerufen hat, soll sich dies verbessern.

Rupert Bauersachs, Professor am Klinikum Darmstadt und wissenschaftliche Leiter des Aktionsbündnisses, kündigte an, vermehrt aufklären und darüber die öffentliche Wahrnehmung verbessern zu wollen.

Neue Leitlinien in Arbeit

Bauersachs verwies auf eine neue S2-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie sowie eine neu S3-Leitlinie zur Prophylaxe, die demnächst veröffentlicht werden. Sie sollen die Wahrnehmung in Praxis und Klinik verbessern sowie die Behandlung absichern.

Demnach sei bei einem Verdacht strukturiert vorzugehen. Diagnostische Methoden sind dabei zu kombinieren. Hausärzten wird der D-Dimer-Test ans Herz gelegt. Sind die Werte positiv, kann eine CT-Angiografie Hinweise für die weitere Behandlung geben. Patienten mit einer Lungenembolie brauchen laut Leitlinie Antikoagulantien.

Bei einem Kreislaufkollaps ist eine zusätzliche Therapie - zum Beispiel eine Lyse - nötig. Das Therapiespektrum wird um die direkten oralen Blutverdünner (Antiagulantien) erweitert.

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