Ärzte Zeitung, 06.11.2015

Party-Drogen

Beliebt, aber gefährlich

Suchtexperten warnen junge Menschen vor einer "Scheinsicherheit", weil bis zum möglichen Verbot neuer Substanzen oft Monate vergehen.

HAMBURG. Legal - aber gefährlich: dies trifft auf zahlreiche Amphetaminabkömmlinge zu, die auf Feiern in Clubs konsumiert werden. Über 100 solcher Substanzen kommen nach Einschätzung von Dr. Peter Strate jährlich auf den Markt. Bis zur Prüfung und einem möglichen Verbot vergehen oft Monate.

Der Suchtexperte warnte in einem Pressegespräch in Hamburg vor einer damit entstehenden "Scheinsicherheit". Denn häufig wirken solche noch nicht verbotenen - weil noch nicht geprüften - Substanzen sogar stärker als illegale Drogen.

Der Chefarzt der Klinik für Abhängigkeitserkrankungen in der Asklepios Klinik Nord berichtete, dass diese Substanzen - oft als "Party-Drogen" bezeichnet - in erster Linie von jungen Leuten konsumiert werden mit dem Ziel, länger wach oder leistungsfähiger zu bleiben.

Bei einigen Veranstaltungen sei von einem extrem hohen Anteil an Konsumenten solcher Substanzen auszugehen. "Viele wissen gar nicht, was sie da konsumieren", glaubt Strate. Dass der Konsum zu Herzrasen, Kreislaufproblemen, Nierenversagen und weiteren Schäden führen kann, sei den meisten nicht bekannt. Auch Spätfolgen und die Gefahr einer Abhängigkeit würden oft unterschätzt.

Allerdings verwies Strate auch auf die Relation zu anderen Drogen. An den Folgen der Einnahme synthetischer Rauschmittel sind im vergangenen Jahr 25 Menschen gestorben. Dies ist eine Verfünffachung gegenüber 2013, als es fünf Todesopfer gab. Insgesamt sterben durch die Einnahme sämtlicher illegaler Substanzen jährlich 1000 Menschen.

An den Folgen von Nikotin sterben jährlich rund 120.000 Menschen und an den Folgen von Alkoholmissbrauch 90.000.

In den vergangenen Jahren haben nach Beobachtung des Psychiaters Reinheitsgrad und Qualität der synthetischen Rauschmittel zugenommen. Weil zugleich die Komplikationen nicht steigen, geht Strate von einem bewussteren Umgang bei Konsumenten aus.

Entwarnung will er nicht geben: "Man weiß nie, ob, und womit die Drogen gestreckt sind", sagte Strate. Zugleich verwies er darauf, dass die Hemmschwelle nach Einnahme sinkt, mit Folgen: "Man macht Dinge, die man nüchtern bereut." (di)

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