Ärzte Zeitung, 10.06.2016

Aktueller Drogenbericht

Klicks statt Koks

Klicks statt Koks

© Bernd von Jutrczenka / dpa

Erschreckend interessant: Aktuelle Fakten zum Drogenkonsum in Deutschland liefert der neue Drogenbericht der Bundesregierung. Traurig: Es sind wieder mehr Menschen in Folge ihres Rauschmittel-Konsums gestorben.

NEU-ISENBURG. Mehr als eine halbe Million Menschen ist in Deutschland online-süchtig; hinzu kommt eine große Zahl von Online-Usern, die gefährdet sind. Das geht aus dem am Donnerstag vorgestellten Drogen- und Suchtbericht 2016 hervor, der sich schwerpunktmäßig mit dem Thema Computerspiel- und Internetabhängigkeit beschäftigt.

 Jüngere Menschen seien häufiger von einer Online-Sucht betroffen, heißt es. So zeigten in der Altersgruppe der 14- bis 24-Jährigen etwa 250.000 Menschen - also 2,4 Prozent - Anzeichen einer Abhängigkeit, unter den 14- bis 16-Jährigen seien es sogar vier Prozent.

Ein wesentliches Thema bleibt der Umgang mit den legalen Suchtmitteln Alkohol und Tabak. Zwar ist seit dem Jahr 1980 der Pro-Kopf-Alkoholkonsum in Deutschland um fast drei Liter zurückgegangen.

 Alkoholmissbrauch: fast 400.000 stationäre Behandlungen

Die Zahl der Personen, die aufgrund von alkoholbedingten Erkrankungen stationär behandelt wurden, hat seit 2000 allerdings um 21,5 Prozent zugenommen.

Im Jahr 2013 gab es laut Krankenhausdiagnosestatistik rund 395.000 solcher Behandlungsfälle, knapp drei Viertel der Eingelieferten waren männlich. Insgesamt starben in Deutschland im Jahr 2013 15.000 Menschen an ausschließlich alkoholbedingten Krankheiten, auch hier waren drei Viertel der Verstorbenen Männer.

4 von 5 Teenagern haben noch nie geraucht

Positiver sieht es bei den Jugendlichen aus: Immer weniger von ihnen trinken regelmäßig Alkohol. Insgesamt gaben im Jahr 2015 nur 13,5 Prozent der 12- bis 17-Jährigen an, regelmäßig Alkohol zu konsumieren.

Auch kommt es bei Jugendlichen seltener zu Krankenhausbehandlungen wegen einer Alkoholvergiftung: waren es im Jahr 2012 fast 19.000 Behandlungen, so mussten 2014 deutlich weniger Jugendliche, nämlich rund 15.500, behandelt werden.

Zahl der Drogentoten gestiegen

Auch im Bezug auf den Tabakkonsum zeichnet sich bei Jugendlichen eine positive Tendenz ab: Der Anteil der rauchenden 12- bis 17-Jährigen ist von 27,5 Prozent im Jahr 2001 auf 7,8 Prozent im Jahr 2015 gesunken. 79 Prozent in dieser Altersgruppe gaben im Jahr 2015 an, noch nie geraucht zu haben.

Obwohl der Konsum legaler Drogen verbreiteter ist, stellt auch der Konsum illegaler Drogen ein hohes Gesundheits- und Mortalitätsrisiko dar. Im Jahr 2015 wurden in Deutschland 1226 Drogentote verzeichnet, das sind 194 Menschen mehr als im Vorjahr. Der stetig ansteigende Trend der erstmals registrierten Konsumenten synthetischer Drogen ist dabei seit 2010 ungebrochen. (bae)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Hüpfen und Einbeinstand halten fit

Hüpfen, Treppensteigen oder auf einem Bein Zähneputzen: Mit bewussten, einfachen Übungen können alte Menschen ihre Beweglichkeit erhöhen und die Sturzgefahr senken. mehr »

Das sind die Gewinner des Galenus-von-Pergamon-Preises 2017

Mit dem Galenus-von-Pergamon-Preis, der auch international große Anerkennung findet, wurden erneut Exzellenz in der pharmakologischen Grundlagenforschung und die Entwicklung innovativer Arzneimittel gekürt. mehr »

Demenz oder Depressionen?

Benennen ältere Patienten von sich aus kognitive Defizite, sollten Ärzte hellhörig werden: Häufig liegt dann keine Demenz, sondern eine Depression vor. mehr »