Ärzte Zeitung, 01.07.2016

Angebot für Schwangere

Neuer Vertrag soll Frühgeburtenzahl senken

Risikoprävention in der Schwangerschaft: Das ist das Ziel einer neuen Vereinbarung der Integrierten Versorgung. Zum ersten Mal reicht diese über Regionen hinaus.

NEU-ISENBURG. Mit der neuen Vereinbarung "Gesund schwanger" engagieren sich Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), KVen, ärztliche Berufsverbände und Krankenkassen für eine bessere Risikoprävention in der Schwangerschaft.

Dabei handelt es sich um eine Premiere in der Integrierten Versorgung (IV): "Es ist der erste regionenübergreifende Vertrag auf der Grundlage des neuen Paragraphen 140a SGB V, wie er mit dem Versorgungsstärkungsgesetz geschaffen wurde", betonte KBV-Chef Dr. Andreas Gassen am Donnerstag in Berlin.

Teilnahmeberechtigt sind Fachärzte für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, für Laboratoriumsmedizin sowie für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie. Schwangere Versicherte, die sich in den Vertrag einschreiben, erhalten ab dem 1. Juli ein Leistungspaket, das über die Mutterschaftsrichtlinien hinausgeht:

- Mithilfe eines 45-minütigen Risikoscreenings soll über verhaltensbedingte Risikofaktoren einer Frühgeburt aufgeklärt werden.

- Vor Beginn der 9. Schwangerschaftswoche kann ein vaginaler Frühultraschall Aufschluss über eine intakte Schwangerschaft geben.

- Zwischen der 16. und 24. Schwangerschaftswoche erfolgt ein ärztlich durchgeführtes Infektionsscreening, um mögliche bakterielle- oder pilzbedingte Infektionen frühzeitig zu diagnostizieren.

Laut KISS-Studie kann allein durch das Infektionsscreening eine Frühgeburtensenkung, um bis zu 43 Prozent erwartet werden. Genau darauf fußt die Idee des neuen Versorgungskonzeptes: In Deutschland sind 2015 zwar so viele Kinder zur Welt gekommen wie seit 15 Jahren nicht mehr, gleichzeitig liegt die Frühgeburtenrate jedoch weiter bei rund zehn Prozent und ist damit auf einem im internationalen Vergleich hohen Niveau.

"Deshalb haben wird die Vereinbarung "Gesund schwanger" geschlossen, die an den relevanten Risikofaktoren für eine Frühgeburt ansetzt. Unser gemeinsames Ziel lautet, durch besondere ambulante Maßnahmen die Frühgeburtenrate zu senken", so Gassen.

In der Startphase sind bereits verschiedene BKKen beigetreten, weitere Krankenkassenbeitritte sind laut gemeinsamer Mitteilung der Initiatoren - darunter drei Berufsverbände - "in den nächsten Monaten zu erwarten". Eine Evaluation soll die Vertragsinhalte überprüfen. (jk)

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