Ärzte Zeitung, 23.12.2016

Sucht im Alter

Kampagne soll informieren

Viele ältere Menschen sind alkohol- oder medikamentenabhängig. NRW will mit einer Kampagne gegensteuern.

KÖLN. NRW will das Problem der Suchterkrankungen im Alter stärker in den Fokus der Öffentlichkeit rücken.

"Suchtprobleme im Alter werden häufig verharmlost und Anzeichen für den Missbrauch von Alkohol oder Medikamenten als Alterserscheinung abgetan", sagte Landesgesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) zum Auftakt der gezielt auf Ältere ausgerichteten Aufklärungskampagne "Stark bleiben – für ein Leben ohne Sucht".

"Die Kampagne informiert über die Suchtgefahr, sensibilisiert für die Hinweise auf Suchterkrankungen und will Ältere dabei unterstützen, stark zu bleiben und sich den Herausforderungen des Alterns ohne den missbräuchlichen Konsum von Medikamenten oder Alkohol zu stellen", erläuterte Steffens.

Ein wichtiger Bestandteil der Kampagne ist eine Broschüre, die Fakten, Hintergründe und Tipps zum Thema zusammenfasst. Sie soll auch in Arztpraxen und Apotheken verteilt werden.

Nach Angaben des Ministeriums trinken rund 25 Prozent der 60- bis 69-jährigen Männer und 17 Prozent der 50- bis 59-jährigen Frauen riskante Mengen Alkohol. Bei fünf Prozent der über 60-Jährigen besteht die Gefahr, dass sie abhängig von Schlaf- und Beruhigungsmitteln werden.

"Mit der Kampagne wollen wir dazu motivieren, über den eigenen Konsum von Alkohol sowie Schlaf- und Beruhigungsmitteln nachzudenken, Gewohnheiten zu überprüfen und gegebenenfalls mit einer Ärztin oder einem Arzt darüber zu sprechen", sagte Dr. Hans-Jürgen Hallmann, Leiter der Landeskoordinierungsstelle Suchtvorbeugung NRW.

"Durch Kooperationen mit Altenhilfe und Seniorenarbeit wollen wir auch Ältere erreichen, die nicht von sich aus aktiv nach Informationen zur Suchtproblematik im Alter suchen." Die Stelle hat die Kampagne in Mülheim erprobt und war vom hohen Interesse von Betroffenen und Angehörigen überrascht.

Zur Kampagne gehören auch gezielte Fortbildungen für Pflegekräfte, damit sie hohen Alkohol- und Medikamentenkonsum erkennen lernen und erfahren, wie sie helfen können. "Im Alter sinkt die Alkoholverträglichkeit, das wissen viele nicht", betonte er.

"Stark bleiben" ist ein Baustein der Präventionsinitiative "Sucht hat immer eine Geschichte", bei der bislang Jugendliche und junge Erwachsene im Mittelpunkt standen. (iss)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Grippe-Impfsaison noch lange nicht vorbei!

Kein Land Europas erreicht die Influenza-Impfziele der WHO. Jetzt vor der Grippewelle appellieren Experten daher an Ärzte, noch möglichst viele Patienten zu schützen. mehr »

Wenn Insulin zum fetten Problem wird

Schon leicht erhöhte Insulinspiegel können offenbar Adipositas sehr stark fördern. Forscher haben sich den Zusammenhang angeschaut und empfehlen Intervallfasten – mit einer Einschränkung. mehr »

Musiktherapie tut Krebskranken gut – zumindest kurzfristig

Ein Bericht für das IQWiG bescheinigt der Musiktherapie kurzfristigen Nutzen im Vergleich zur Routineversorgung bei Angst, Depression und Stress. Zur Bewertung von Langfrist-Effekten fehlen aber Daten. mehr »