Ärzte Zeitung online, 14.09.2017

Hörverlust

Kinder frühzeitig testen lassen!

Wenn Kinder schlecht hören, sollten Eltern früh einen Pädakustiker hinzuziehen. Pädiater warnen davor, einfach abzuwarten.

MAINZ. Bereits bei der Einschulungsuntersuchung ist bei vielen Kindern ein Hörverlust messbar. Das betont der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte.

Bei einem Verdacht auf Hörverlust sollte nicht abgewartet, sondern schnell gehandelt werden, rät die Vereinigung der Hörakustiker. Eltern sollten im Zweifel frühzeitig einen Pädakustiker hinzuziehen, da der Hörsinn sich bis zum Alter von 16 Jahren weiter ausbildet – und eine entsprechende Behandlung Schlimmeres verhindern kann.

Auch Martin Blecker, Präsident der Europäischen Union der Hörakustiker, mahnt: "Je früher eine Versorgung von Kindern mit Hörverlust erfolgt, desto höher sind die Chancen, dass sich Kinder altersgerecht entwickeln."

Bis zum Alter von sieben bis acht Jahren haben Kinder Schwierigkeiten, Geräusche zu unterscheiden und zu lokalisieren. Besonders Kleinkinder können Schall nur ungenau zuordnen oder überhören mitunter Geräusche.

Gleichzeitig gibt es im Kinderzimmer ganz schön was auf die Ohren, denn ab 85 Dezibel (dB) kann das Gehör von Kleinkindern – auch dauerhaft – geschädigt werden. Ein Xylophon erreicht in Kinderohren schnell den Lärmpegel eines Föns (70 bis 80 Dezibel), die Rassel sogar den einer Bohrmaschine (80 Dezibel). Das Quietscheentchen kann sich mit dem Lärmpegel eines Flugzeuges (etwa 130 Dezibel) messen.

Seit dem 1. Januar 2009 ist das Hörscreening bei Neugeborenen eine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. Damit hat jedes neugeborene Kind einen Anspruch auf einen Test, der Hörstörungen bereits ab den ersten Lebenstagen zuverlässig erkennen lässt. Für die weitere, insbesondere sprachliche Entwicklung von Kindern ist es wichtig, dass eine Schwerhörigkeit so schnell wie möglich erkannt und behandelt wird. (ras)

Weitere Informationen zum Neugeborenen-Hörscreening gibt es auf www.neugeborenen-hoerscreening.de.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Epileptiker haben hohe Überdosisgefahr

Die Gefahr, an einer Medikamentenüberdosis zu sterben, ist bei Epilepsiekranken fünffach erhöht, so eine Studie. Doch es ist anders, als auf den ersten Blick gedacht: Schuld sind meist nicht die Antikonvulsiva. mehr »

Zehntausende Arztpraxen nicht ohne Barrieren zu erreichen

Nur ein Drittel der Arztpraxen in Deutschland gelten – auch nur zum Teil – als barrierefrei. Das schränke die freie Arztwahl körperlich beeinträchtigter Menschen ein, moniert die Linke-Sozialexpertin Sabine Zimmermann. mehr »

Nichtstun ist gefährlich für Patientendaten

Nur noch wenige Tage, dann tritt die EU-Datenschutzgrundverordnung in Kraft. Grund genug auch für Ärzte, sich die Prozesse der Datenverarbeitung anzuschauen und auf Sicherheit abzuklopfen. mehr »