Ärzte Zeitung online, 19.09.2017

Niedersachsen

Kammerchefin fordert Schulfach Gesundheit

HANNOVER. Die Präsidentin der ÄK Niedersachsen, Dr. Martina Wenker, hat sich für ein "Schulfach Gesundheit" ausgesprochen. "Je früher Kinder und Jugendliche körperliche und seelische Prozesse besser verstehen, desto größere Chancen haben wir, sie für eine individuelle gesundheitsbewusste Lebensführung motivieren zu können", so Wenker. 

Zum Lehrstoff könnten Infos über gesunde Ernährung, Bewegung und psychische Ausgeglichenheit gehören, so die die Kammerchefin. Zugleich gehe es um verantwortlichen Umgang mit neuen Medien. Wenker setzt sich dafür ein, dass Gesundheitsthemen in die Lehrerausbildung sowie Lehrpläne aufgenommen werden. Ärzte müssten hinzugezogen werden, hieß es. (cben)

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[19.09.2017, 10:42:43]
Dr. Detlef Bunk 
Lobenswert und sogar sinnvoll, aber…
Eine Sensibilisierung für Umgang und Pflege der eigenen psychischen und körperlichen Gesundheit schon in jüngsten Jahren und der Schulzeit erscheint sinnvoll und erstrebenwert, ist aber zu kurz gedacht. Wo bleibt die Bildung von Ethik, Religion, Moral, Tugenden, staatsbürgerlichen, zwischenmenschlichen und demokratischen Grundwerten? Das alles muss ausgewogen sein. Hier ist Augenmaß gefordert und ganz klar die Frage nach den Zielen zu stellen:
Was braucht unsere Gesellschaft für zukünftige Staatsbürger mit welchem Bewusstsein, mit welchen Wertesystemen, Handlungs- und Lebensmaximen?
Wir wollen doch nicht vor lauter Überfrachtung der Schule mit monothematischen, partikularen gesellschaftlichen Themen, dass eine Schulbildung in Geschichte, Natur- und Geisteswissenschaften nur noch in freiwilligen AG’s stattfindet.
Hier ist die Frage einer grundlegenden Bildungsreform mit äußerst kritischem Überdenken des gegenwärtigen Bildungsföderalismus und des Bologna-Prozesses zu stellen. Ob die Mitglieder einer zukünftigen Bundesregierung dazu in der Lage sind, beziehungsweise überhaupt das Bewusstsein dafür entwickeln können?
Frei nach Humboldt: Wir brauchen nicht mehr Ausbildung, sondern mehr Bildung.

Dr. phil. Detlef Bunk
Dipl. Psych., Psychotherapeut, ESSEN zum Beitrag »

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