Ärzte Zeitung online, 13.10.2017
 

Kopfschmerz

Vorbeugeoptionen oft wenig bekannt

Hausärzte und Internisten tragen die Hauptlast bei der Versorgung von Kopfschmerzpatienten. Die Herausforderungen wachsen.

 Vorbeugeoptionen oft wenig bekannt

In einer aktuellen Befragung gaben 40,2 Prozent der Teilnehmer an, in den letzten sechs Monaten unter Kopfschmerzen gelitten zu haben.

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MANNHEIM. Sechs Prozent aller Migränepatienten in Deutschland haben an mehr als 14 Tagen im Monat Kopfschmerzen. Das hat massive psychosoziale Auswirkungen, nicht selten kommt es zur Frühverrentung. "Wir wissen, dass Kopfschmerzen zu den häufigsten Beschwerden in der Bevölkerung zählen", sagt die Präsidentin der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG). Privatdozentin Dr. Stefanie Förderreuther von der Uni München. Nicht immer sind die Auswirkungen allerdings so fatal wie bei all den Migränepatienten, die zwei Wochen im Monat über Schmerzen klagen.

Die DMKG hat in einer repräsentativen Stichprobe Jugendliche ab 14 Jahren und Erwachsene zu Häufigkeit und Dauer von Kopfschmerzen interviewen lassen. Die Ergebnisse sind beim Deutschen Schmerzkongress in Mannheim vorgestellt worden.

Insgesamt 40,2 Prozent der Befragten gaben an, in den letzten sechs Monaten unter Kopfschmerzen gelitten zu haben. Davon hatten 3,8 Prozent der Männer und 10,9 Prozent der Frauen eine Migräne.

Die Mehrzahl der Betroffenen hat im Mittel ein bis drei Kopfschmerztage pro Monat, Männer weniger als Frauen. Vier von zehn Jugendlichen und Erwachsenen in Deutschland hatten in den letzten sechs Monaten wenigstens einmal Kopfschmerzen.

Nur etwa die Hälfte der Patienten suchte einen Arzt auf, obwohl Mediziner als kompetenteste Informationsquelle angesehen werden.

"Kopfschmerzen sind immer noch eine Domäne der Selbstmedikation", erläuterte Förderreuther bei der Vorstellung der Befragungsergebnisse. Die meisten Menschen vertrauen demnach auf Hausmittel oder frei verkäufliche Schmerzmittel aus der Apotheke. Zehn Prozent gehen zum Heilpraktiker.

Die seltene Inanspruchnahme ärztlicher Hilfe steht im Widerspruch zu einem weiteren Ergebnis der Umfrage: Für 35 Prozent der Interviewten sind Ärzte die häufigste Informationsquelle, gefolgt von Apothekern und dem Freundeskreis mit jeweils 20 Prozent. Erst dann folgte das Internet mit 14 Prozent.

Insgesamt fühlten sich die Patienten gut von ihrem Arzt beraten. Die ärztlichen Informationen beurteilten 54 Prozent der Befragten als "gut" oder sogar "sehr gut".

Deutliche Defizite gibt es aber mit Blick auf das Wissen über Vorbeugeoptionen. Patienten, die einen Facharzt aufsuchten, erhielten häufiger eine Migräne-Prophylaxe als Patienten, die allein vom Hausarzt betreut wurden. Insgesamt nahm jedoch nur jeder fünfte Patient mit vier bis 14 Migränetagen im Monat auf ärztlichen Rat hin Medikamente ein.

"Die Migräne-Prophylaxe bietet dem Patienten gute Chancen, die Zahl der Kopfschmerztage zu senken, und sollte deshalb allen Patienten angeboten werden", forderte DMKG-Vizepräsident Professor Straube von der Uni München.

Medikamente sind jedoch nicht die einzige Behandlungsmöglichkeit. Kongresspräsident Professor Matthias Keidel, Chefarzt am Campus Bad Neustadt/Saale, verwies auf nichtmedikamentöse Optionen: "Entspannungstherapien etwa können helfen, die Kopfschmerzen in den Griff zu bekommen." Leider seien die Behandlungsoptionen zu wenig bekannt.

Alle Experten waren sich einig, dass vor allem Hausärzte als erste Ansprechpartner der Patienten über die heutigen Behandlungsmöglichkeiten informiert sein sollten. "Der Hausarzt sollte in der Lage sein, die Diagnose Kopfschmerz oder Migräne sicher zu erkennen und den Patienten mit einer geeigneten Akutmedikation zu versorgen", so Keidel. (fuh/eb)

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