Ärzte Zeitung online, 19.10.2017
 

Herbstkongress der Kinder- und Jugendärzte

Hohe Erwartungen – tiefe Enttäuschung

Pädiater gehen mit den Parteien hart ins Gericht. Auch aktuell werde das Thema Gesundheit ausgeblendet.

BAD ORB. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) hat die politischen Parteien dafür kritisiert, dass nach der Bundestagswahl das Thema Gesundheit so gut wie keine Rolle mehr spielt und auch in den Vorbereitungen zu den Koalitionsverhandlungen ausgeblendet wird.

"Bürgerversicherung, ein bisschen Pflege und das war es schon", beklagte Verbandspräsident Dr. Thomas Fischbach beim Herbstkongress des BVKJ in Bad Orb. "Von Kindern und deren Gesundheit hört man gar nichts."

Auch die von der Regierung in der vergangenen Legislaturperiode angestoßenen Gesetze seien zum Teil "weit hinter den Erwartungen" zurückgeblieben. Zum Beispiel das Präventionsgesetz, in dem mit dem Lebensweltansatz und der Gewichtung zwischen Verhältnis- und Verhaltensprävention" am richtigen Hebel angesetzt worden ist und für das finanziell eine gute Grundlage geschaffen worden sei.

Bedauerlicherweise hapere es aber an der Umsetzung, so der BVKJ. So wurde der Anspruch, dass Prävention eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist und daher auch von allen betroffenen Sozialträgern finanziert werden muss, "faktisch geopfert.". Daher verwundere es nicht, dass die Krankenkassen "wenig Appetit auf neue Angebote" haben.

Auch die im Präventionsgesetz neu verankerte Impfberatungspflicht führe nicht weiter. Folgt nämlich nach der Beratung keine Impfung, werde den ungeimpften Kindern der Kindergartenbesuch nicht verwehrt. Erst beim Ausbruch einer impfpräventablen Erkrankung könnten ungeimpfte Kinder ausgeschlossen werden. Diese Regelung sei aber nicht neu, da sie bereits vor Inkrafttreten des Präventionsgesetzes im Infektionsschutzgesetz (Paragraf 34) entsprechend geregelt war. Akuten weiteren Handlungsbedarf sieht der BVKJ auch im Kinder-und Jugendstärkungsgesetz (KJSG). Das überfällige Ziel, Verträge über die Zusammenarbeit zwischen Ärzteschaft und Jugendhilfe im Bereich der Frühen Hilfen zu schließen und diese Kooperation auch zu honorieren, steckten derzeit im Bundesrat fest.

Und auch beim Bundesteilhabegesetz beklagt der BVKJ die "fehlende verbindliche Einbindung der heilberuflichen Expertise in Leistungsplangespräche", um dort stärker den Leistungsbedarf aus Sicht der Kinder – und nicht nur der Eltern – artikulieren zu können. Fischbach: "Gerade unsere chronisch kranken Kindern können somit zu den Verlierern im System werden." (ras)

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