Ärzte Zeitung online, 06.12.2017
 

Krebshilfe

Raucher-Szenen im Film nur noch nachts zeigen?

STUTTGART. Filme mit Raucher-Szenen sollten nach Ansicht der Deutschen Krebshilfe ins Nachtprogramm der Fernsehsender verbannt werden. "In zahlreichen Krimis greift der Kommissar zur Zigarette", sagte Vorstandschef Gerd Nettekoven der "Heilbronner Stimme" (Mittwoch). "Besonders beunruhigend ist dabei, dass häufig schon im Nachmittags- und Vorabendprogramm geraucht wird, da diese Sendungen oft von Kindern und Jugendlichen gesehen werden." So werde etwa in der TV-Serie "Lindenstraße" nicht nur häufig geraucht, sondern das Rauchen auch positiv dargestellt, monierte er.

Nettekoven schlug für deutsche Sender eine Richtlinie vor, nach der Filme und Serien mit Raucher-Szenen erst spät ausgestrahlt werden. Dadurch würden wesentlich weniger Kinder und Jugendliche solchen Szenen in Filmen ausgesetzt. "Dies wäre ein deutliches Signal der Fernsehsender, dass sie den Jugendschutz wirklich ernst nehmen", sagte Nettekoven der Zeitung.

Der Suchtexperte und Psychologe Reiner Hanewinkel von der medizinischen Fakultät in Kiel hatte in diesem Jahr 81 Kinofilme untersuchen lassen, die für den Deutschen Filmpreis Lola und den Oscar eingereicht wurden. Das Ergebnis: In 60 der Produktionen (74 Prozent) wurde geraucht.

In Frankreich gibt es derzeit eine ähnliche Diskussion; dort wollte Gesundheitsministerin Professor Agnès Buzyn das Rauchen im Film gleich ganz verbieten. (dpa)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Frauen schuld an "Männergrippe"?

Jammernde Männer mit Erkältung sind keine Weicheier, sie leiden tatsächlich stärker. Das liegt wohl am Testosteron. Und an Frauen, die testosterontriefende Männer bevorzugen. mehr »

Stammzellgesetz – Bremse für Forscher?

2002 gab es um die Forschung an menschlichen embryonalen Stammzellen eine hochemotionale Debatte. Heute ist der Pionier von ehedem mit dem Stand seiner Arbeit zufrieden. Doch nicht nur er fürchtet durch das Stammzellgesetz Nachteile für Forscher in Deutschland. mehr »

Ebola-Überlebende auch 40 Jahre später noch immun

Eine Forscherin machte sich auf die Suche nach den Überlebenden des ersten Ebola-Ausbruchs – und verspricht sich davon wichtige Erkenntnisse. mehr »