Ärzte Zeitung online, 09.04.2018

Drogenbeauftragte

Neuer Anlauf für Verbot der Tabak-Außenwerbung

In der vergangenen Wahlperiode ist der Versuch gescheitert, Tabakwerbung auf Litfaßsäulen oder Plakatwänden zu verbieten – nun wird die Forderung erneut laut.

Neuer Anlauf für Verbot der Tabak-Außenwerbung

Werbung für Zigaretten auf einer großen Fläche am Bahnhof: Geht es nach der Bundesdrogenbeauftragten, soll das künftig verboten werden.

© Wolfram Steinberg / picture-alliance / dpa

BERLIN. Die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler will einen neuen Anlauf für ein Verbot der Außenwerbung für Tabakerzeugnisse nehmen – obwohl dies in der vergangenen Wahlperiode gescheitert ist und sich auch nicht im neuen Koalitionsvertrag findet.

Sie werde in dieser Sache nicht lockerlassen, sagte die CSU-Politikerin der "Passauer Neuen Presse" (Samstag).

In der vergangenen Legislaturperiode hatte sich das Kabinett auf einen Gesetzentwurf geeinigt, nach dem Zigarettenwerbung auf Plakatwänden, Litfaßsäulen und im Kino von Juli 2020 an verboten werden sollte. Das Gesetz wurde aber nie beschlossen.

Nicht im Koalitionsvertrag

Vor allem die Unionsfraktion sperrte sich dagegen. Laut "Spiegel" setzte die Union auch durch, dass im neuen Koalitionsvertrag der ursprünglich vorgesehene Satz "Wir werden das Tabak-Außenwerbeverbot umsetzen" gestrichen wurde.

"Tabakaußenwerbung hat in einem modernen gesundheitsbewussten Land nichts zu suchen", sagte Mortler nun den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Ziel müsse es sein, Jugendliche davon abzuhalten, mit dem Rauchen zu beginnen. "Da können wir nicht zuschauen, wenn auf der Straße mit Millionenaufwand für neue Tabakprodukte und damit auch für das Rauchen geworben wird."

Lauterbach will sofortiges Werbeverbot

Unterstützung erhielt die Drogenbeauftragte der Bundesregierung vom SPD-Gesundheitspolitiker Professor Karl Lauterbach.

"Wir müssen die Kinder schützen: Das Tabakwerbeverbot muss in Deutschland sofort umgesetzt werden", sagte er den Funke-Zeitungen. "Es spricht nichts dagegen – mit Ausnahme des Drucks der Tabakindustrie."

Der Druck der Lobbygruppen scheine besonders bei der Fraktionsspitze von CDU und CSU zu fruchten. Der SPD-Politiker forderte Gesundheitsminister Jens Spahn auf, sich genauso stark für ein Tabakwerbeverbot einzusetzen wie sein Vorgänger Hermann Gröhe (beide CDU). (dpa)

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