Ärzte Zeitung online, 20.07.2018

Rheinland-Pfalz

Präventiver Hausbesuch — Regionalprojekte stehen Modell

Der Bund will verstärkt auf den präventiven Hausbesuch setzen, das steht im Koalitionsvertrag. Dafür blickt man auf laufende Erfolgsprojekte — wie die "Gemeindeschwester Plus" in Rheinland-Pfalz.

Von Anne Zegelman

138a0601_8054717-A.jpg

Kurzer Online-Check: Welche Angebote gibt es bereits und wie können sie genutzt werden?

© Konstantin Sutyagin/Fotolia

MAINZ. Das Gesundheitsministerium Rheinland-Pfalz will das Projekt "Gemeindeschwester Plus" auch über den Projektzeitraum 31. Dezember 2018 hinaus fortsetzen. Das hat Ministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) am Rande eines Gesprächs mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in Berlin mitgeteilt.

Das im Juli 2015 gestartete Projekt richtet sich an Senioren, die noch keine Pflege brauchen, wohl aber Unterstützung und Beratung. "Kümmern statt Pflegen" lautet die Devise, die klar einen präventiven Ansatz erkennen lässt: Die "Gemeindeschwester Plus" besucht die Menschen nach Rücksprache daheim und entwickelt gemeinsam mit ihnen ein Konzept, wie die Selbstständigkeit möglichst lange erhalten bleiben und Pflegebedürftigkeit vermieden werden kann.

Dabei prüft sie auch, wie bestehende Angebote vor Ort und soziale Kontakte eingebunden werden können — zum Beispiel ein Seniorennachmittag der Gemeinde, ein gut erreichbarer Mittagstisch oder ein Hausnotruf.

Aktuell machen neun kommunale Gebietskörperschaften mit: der Landkreis Südliche Weinstraße und die Stadt Landau, der Landkreis und die Stadt Kaiserslautern, die Stadt Koblenz, der Eifelkreis Bitburg-Prüm und die Landkreise Neuwied, Alzey-Worms und Birkenfeld.

Projekt soll ausgedehnt werden

"Vorbehaltlich der Haushaltsdebatten und der Entscheidung des Landtages, die Ende des Jahres zu erwarten ist, haben wir für die Jahre 2019 und 2020 Finanzmittel eingeplant", sagt die Ministerin.

Es habe sich gezeigt, dass das präventive und gesundheitsfördernde Angebot ein großer Gewinn für hochbetagte Seniorinnen und Senioren ist, so Bätzing-Lichtenthäler. Deshalb werde Rheinland-Pfalz das Projekt nicht nur fortsetzen, sondern auch weiterentwickeln und auf zusätzliche Kommunen ausdehnen.

In welchem Umfang ist noch unklar, das Gesundheitsministerium will dazu nun Gespräche mit den Spitzen der rheinland-pfälzischen Pflege- und Krankenkassen und Kommunen führen. "Die dauerhafte Verstetigung und der Ausbau des Angebotes hängen maßgeblich von der Finanzierung ab", so Bätzing-Lichtenthäler.

"Ich wünsche und hoffe deshalb für die hochbetagten Menschen, dass wir in den anstehenden Gesprächen mit den Kassen und Kommunen zu einem guten gemeinsamen Ergebnis finden und dass wir damit auch wegweisend für die präventiven Hausbesuche auf Bundesebene sind", sagt die Ministerin weiter.

Gespräch mit Spahn

In Berlin sprach sie am Mittwoch mit Bundesgesundheitsminister Spahn darüber, wie die im Koalitionsvertrag vorgesehene Verstetigung des präventiven Hausbesuchs (Kapitel VII, Seite 97 des Koalitionsvertrags) umgesetzt werden kann.

"Ich freue mich, dass die Bundesregierung den großen Mehrwert unseres Projekts erkannt hat und nun bundesweit ein vergleichbares Angebot schaffen möchte. Gerne tausche ich mich mit dem Minister über unsere guten Erfahrungen aus", sagte Bätzing-Lichtenthäler vor dem Gespräch.

Dass sich das Modellprojekt bewährt hat, belegt auch der kürzlich veröffentlichte Evaluationsbericht. "Er bestätigt die vielen positiven Rückmeldungen, die wir bekommen haben, und zeigt, wie wichtig es für die Menschen ist, die Zeit im eigenen Zuhause verlängern zu können", sagt Ministeriumssprecherin Sandra Keßler der "Ärzte Zeitung".

Ganze Reihe an Einzelprojekten

Der Bund kann bei seinen Plänen jedenfalls auf einen breiten Erfahrungsschatz zurückgreifen: Neben Rheinland-Pfalz haben auch andere Bundesländer bereits positive Erfahrungen mit präventiven Hausbesuchen gemacht — in Baden-Württemberg ist zum Beispiel gerade das ähnlich gelagerte Modellprojekt "PräSenZ" evaluiert worden.

Auch der Deutsche Seniorentag unterstreicht die Bedeutung des präventiven Hausbesuchs und bezieht sich auf ein Projekt des Caritasverbandes Frankfurt/Main, das bereits seit 2007 läuft: "An diesem Ansatz wird deutlich – und das zeigen auch die Erfahrungen in der Beratungsarbeit –, dass rund um das Thema Vorsorge im Alter sehr viele Potenziale stecken, die es zu wecken und auszuschöpfen gilt."

2,9 Mio. Euro kostet das Modellprojekt "Gemeindeschwester Plus" in Rheinland-Pfalz — samt wissenschaftlicher Begleitung und Evaluation sowie den Personal- und Sachkosten. Es soll nun über den Ablauf des Projektzeitraums hinweg verlängert und ausgebaut werden.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Erfahrung gibt‘s nicht gratis

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Honorar-Einigung erzielt!

18:30Die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der GKV-Spitzenverband haben sich nach siebenstündigen Verhandlungen auf das Honorar für 2019 geeinigt. mehr »

App sorgt für weniger Tage mit Migräne

Bei Einsatz einer Migräne-App lassen sich Kopfschmerztage merklich reduzieren – und zwar um 25 Prozent. Das geht aus einer Studie der Schmerzklinik Kiel und der TK hervor. mehr »

Die Zukunft gehört der sensorischen Zuckermessung

Die Zeiten, in denen sich Diabetiker zur Blutzuckermessung in den Finger stechen müssen, sind wohl bald vorbei. Sensor-Messsysteme bringen neue Möglichkeiten, aber auch Herausforderungen. mehr »