Ärzte Zeitung online, 05.11.2018

„Entschieden. Gegen Krebs“

Initiative will Ärzte für HPV-Impfung gewinnen

Die HPV-Impfung als Standardimpfung zu etablieren, ist das Ziel der Initiative „Entschieden. Gegen Krebs“. Eine wichtige Rolle schreiben die Initiatoren den niedergelassenen Ärzten zu.

Von Julia Frisch

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Ärzte müssen die Patienten vom Nutzen der HPV-Impfung überzeugen – dazu müssen sie aber selbst davon überzeugt sein.

© pittawut / stock.adobe.com

BERLIN. Masernimpfungen gehören mittlerweile zur Routine. So selbstverständlich sind sie weithin geworden, dass Impfgegner schon erheblichen Argumentationsaufwand betreiben müssen.

„Inzwischen erfordert es mehr kognitive Energie, sich oder sein Kind nicht gegen Masern impfen zu lassen als es zu tun“, sagte Soziologie-Professor Armin Nassehi aus München auf einer Podiumsdiskussion der Initiative „Entschieden. Gegen Krebs“ in Berlin. Dieser Zustand müsse auch bei der Impfung gegen Humane Papillomviren erreicht werden.

Damit die HPV-Impfung wie bei Masern, Mumps oder Tetanus zur Routine wird, versucht nun die Kampagne das Thema HPV in der Öffentlichkeit, besonders aber bei Eltern, Kindern und Jugendlichen über verschiedene Medien und Internetkanäle stärker ins Bewusstsein zu rücken.

Denn nach einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Initiative haben 40 Prozent der Eltern bislang nichts über HPV gehört oder gelesen.

„Wir wollen die Jungen und Mädchen so weit wie möglich vor den späteren Folgen einer HPV-Infektion bewahren und bestimmte HPV-induzierte Erkrankungen reduzieren“, sagte Dr. Klaus Schlüter, Director Business Unit Vaccines von MSD.

Das Pharmaunternehmen hat die Initiative ins Leben gerufen und dafür den Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte, der Deutschen Urologen, die Ärztliche Gesellschaft zur Gesundheitsförderung, das HPV Frauennetzwerk und die Deutsche Gesellschaft für Urologie als Partner gewinnen können.

Überzeugende Argumente an die Hand geben

Informationen will die Initiative aber auch den niedergelassenen Ärzten zur Verfügung stellen. „Entscheidend ist die Situation in den Arztpraxen, da ist ein überzeugter Arzt wichtig“, so Schlüter.

Die Kampagne wolle deshalb auch Ärzten bei der Aufklärung helfen, ihnen überzeugende Argumente an die Hand geben.

Den Schlüssel zu einer höheren Akzeptanz sieht Dr. Thomas Fischbach, Präsident des Bundesverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), ebenfalls in den Arztpraxen. Die Mediziner müssten die Patienten überzeugen, ihr Vertrauen gewinnen und die HPV-Impfung als Routine etablieren.

Dazu, so Fischbach, „brauchen wir in der Ärzteschaft auch Kommunikationstraining“.Zudem forderte der BVKJ-Präsident auch mehr Unterstützung durch die Politik. Im Gesetzentwurf zum Terminservice- und Versorgungsgesetz sei „außer Gängelung nichts drin“.

Die sprechende Medizin werde nicht gefördert, auch der Ärztenachwuchs sei kein Thema. Die Politik könne für mehr Verbindlichkeit beim Impfen sorgen, „mehr Druck auf die Bevölkerung gehöre dazu.

Als "Schlampenimpfung" verunglimpft

Auf der Veranstaltung machten alle Beteiligten deutlich, dass es wichtig sei, das Thema HPV-Impfung nicht – wie bisher oft – mit dem ersten sexuellen Kontakt zu verknüpfen.

Das habe teilweise dazu geführt, dass die HPV-Immunisierung als „Schlampenimpfung“ verunglimpft und die Impfung der Kinder und Jugendlichen aufgeschoben werde, sagte Schlüter.

Wie bei Hepatitis B, ebenfalls eine sexuell übertragbare Krankheit, müsse es beider HPV-Impfung gelingen, diese vom Sex zu entkoppeln.

Auf lange Sicht hofft Schlüter, dass die Initiative dazu beitrage, HPV-induzierte Tumore zu eliminieren. „Diese große Chance müssen wir nutzen. In Deutschland haben wir schließlich das Privileg, ausreichend Impfstoff zu bekommen.“

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