Ärzte Zeitung online, 11.10.2019

Kommentar zur Woche der seelischen Gesundheit

Minister für einsame Seelen!?

Einsamkeit kann psychisch krank machen. Die Gesellschaft sollte gegensteuern – ein Ministerium reicht da bei Weitem nicht.

Von Thomas Hommel

174a0203_8438672-P.jpg

Schreiben Sie dem Autor: thomas.hommel@springer.com

Wer Seite 118 im Koalitionsvertrag von Union und SPD aufschlägt, findet dort einen Satz, der nach Allgemeinplatz klingt: „Angesichts einer zunehmend individualisierten, mobilen und digitalen Gesellschaft werden wir Strategien und Konzepte entwickeln, die Einsamkeit in allen Altersgruppen vorbeugen und Vereinsamung bekämpfen.“

Tatsächlich verbirgt sich dahinter ein ernstes, ein wachsendes Problem. Denn das Gefühl von Einsamkeit kann – wenn es unfreiwillig ist – zu schweren Krankheiten, auch seelischen, führen. Und es irrt, wer meint, einsam fühlten sich nur ältere Menschen. Das Phänomen frisst sich durch alle Altersgruppen und fordert auch Hausärzte und Psychologen als Ansprechpartner heraus.

Großbritannien reagierte im vergangenen Jahr und ernannte eigens eine „Ministerin für Einsamkeit“. Das ist gut gemeint, erweist sich aber als reine Symbolpolitik. Vereinsamung kommt man nur durch mehr gesellschaftlichen Zusammenhalt und größere Achtsamkeit dem Nächsten gegenüber bei.

Beides ließe sich in Kitas und Schulen „trainieren“ und später durch ehrenamtliches Engagement vertiefen. Dafür sollte der Staat Freiräume und Anreize schaffen. Einen Bundesminister für einsame Herzen braucht es nicht.

Lesen Sie auch: Einsamkeit kratzt stark an der Psyche

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Künstliches Pankreas punktet im Alltag

Ein „closed loop“ aus sensorgestützter Glukosemessung und Insulinpumpe kann die Stoffwechseleinstellung bei Diabetes deutlich verbessern, zeigt eine US-Studie auf. mehr »

Kontroverse um Spahns Gesetz für besseren Masernschutz

Der Bundestag hat in erster Lesung das geplante Masernschutzgesetz debattiert. Die Opposition kritisiert, das Gesetz atme zu viel Zwang und Sanktion. mehr »

Tuberkulose bleibt die infektiöse Todesursache Nummer 1

Inzidenz und Mortalität der Tuberkulose gehen einem WHO-Report zufolge weltweit zurück. Die für 2020 angestrebten Ziele sind trotzdem außer Reichweite. mehr »