Ärzte Zeitung, 27.09.2016

Berlin

Ab auf den Drahtesel!

Ein Pilotprojekt will seelisch erkrankten und traumatisierten junge Menschen helfen - mit gemeinsamen Radtouren.

Mit Rädern gegen Frust und Depression

Ab auf den Drahtesel gegen Frust, Probleme und Depressionen.

© Jacek Chabraszewski / fotolia.com

BERLIN. Gegen Frust und Probleme auf Pedalen antreten können Kinder und Jugendliche in der Klinik für seelische Gesundheit im Kindes- und Jugendalter des Sankt Joseph Krankenhauses Tempelhof in Berlin nun im Rahmen des Pilotprojektes "Fahrradhelden" der dare-Stiftung.

Das Projekt mit dem Sankt Joseph Krankenhaus ist ein Pilotprojekt. Es hat vor rund einem Jahr begonnen und soll seelisch erkrankten und traumatisierten jungen Menschen im Krankenhaus etwas Normalität ermöglichen.

Picknicktour und Einkaufsfahrt

Bisher beobachten sowohl die Stiftung als auch die Klinik positive Effekte. Chefarzt Dr. Hans Willner: "Die Fahrräder sind eine große Bereicherung für unsere Sport- und Erlebnispädagogik. Sie kommen vielen Patienten zugute: Deren gesundheitliche Situation verbessert sich spürbar und sie schließen auf mehreren Ebenen näher zu ihren psychisch nicht vorbelasteten Altersgenossen auf."

Die minderjährigen Patienten unternehmen gemeinsame Radtouren, machen ein Picknick oder Einkaufsfahrten. "Wir trainieren mit ihnen Alltags- und soziale Kompetenzen, aber wir zeigen ihnen auch, was sie alles können", so Erlebnispädagoge Donald Schiemann.

Positive Wirkung auf die Seele

Sportpädagoge Adam Tyblewski hebt die allgemeinen positiven Wirkungen des Radfahrens auf die Seele hervor: "Ausdauersport wie das Radfahren verbessert die Körperwahrnehmung der Patienten ebenso wie ihr Selbstwertgefühl und hat antidepressive Wirkung. Kinder und Jugendlichen werden mutiger, sie gewinnen Ortskenntnis und lernen, sich im Straßenverkehr verantwortlich zu bewegen."

Zusätzlich zu den fünf Rädern der dare-Stiftung hat Schirmherrin Sandra Scheeres (SPD), Jugend- und Wissenschaftssenatorin in Berlin, der Klinik nun weitere zehn Fahrräder überreicht. Sie betrachtet das Projekt als alltagspraktische Unterstützung auf dem Genesungsweg. "Denn Radfahren vermittelt Freiheit und Selbstbestimmtheit", so Scheeres. (ami)

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