Ärzte Zeitung online, 08.09.2018

Krankschreibungen

Psychische Leiden im Saarland häufiger

Warum leiden im Saarland so viele Menschen an psychischen Erkrankungen — mehr als irgendwo sonst in der Bundesrepublik? Eine Spurensuche.

Von Michael Kuderna

SAARBRÜCKEN. Bei Krankschreibungen wegen psychischer Leiden ist nach dem neuesten Gesundheitsreport der Barmer das Saarland bundesweit an der Spitze. Dies entspricht einem langjährigen Trend, es fehlt jedoch eine schlüssige Erklärung.

Die Kasse stützt sich auf die Auswertung der Daten von 53.000 Erwerbspersonen aus dem Jahr 2017. Danach war jeder der Beschäftigten durchschnittlich 4,1 Arbeitstage wegen psychischer Erkrankungen arbeitsunfähig. Im Bund lag dieser Wert bei 3,4 Tagen, in Baden-Württemberg sogar nur bei 2,8 Tagen.

Diese Zahlen korrespondieren auch mit früheren Statistiken. So hatte beispielsweise die DAK in ihrem Gesundheitsreport für das Jahr 2013 nicht nur von einem auffällig hohen Krankenstand aufgrund psychischer Belastungen im Saarland berichtet, sondern auch von einer überdurchschnittlich hohen Krankendauer.

Einen ähnlichen Befund hatte die TK auch schon für das Jahr 2002 vermeldet. Danach hätten die Fehlzeiten aufgrund von Depressionen fast 16 Prozent über dem Bundesdurchschnitt gelegen. Erstaunlich ist dabei die massive Diskrepanz zu Umfragen hinsichtlich Ängsten oder Lebenszufriedenheit, bei denen allerdings das kleinste deutsche Flächenland meist gemeinsam mit seinem Nachbarland Rheinland-Pfalz ausgewiesen wird.

So landeten die beiden Länder in der jährlich erscheinenden Befragung der R+V Versicherung nach den Ängsten der Deutschen zuletzt im Mittelfeld. Beim "Glücksatlas 2017" der Deutschen Post belegen sie Platz 10 und fielen unter anderem durch den zweithöchsten Zufriedenheitswert in Bezug auf Gesundheit auf.

Die Kassen selbst liefern auch keine Erklärung für ihre Befunde. Vielmehr fordern sie die Arbeitgeber zu größeren Anstrengungen bei der Prävention auf. Außerdem wird informell gerne auf die "vergleichsweise gute Versorgungsstruktur" im Saarland hingewiesen.

Ein Landarzt äußerte im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" eine andere Vermutung, die er auf seine tägliche Erfahrung stützt: Danach gehe es den Durchschnitts-Saarländern finanziell schlechter als die Statistiken zeigten. Viele hätten sich bei Frühverrentungsprogrammen verkalkuliert oder bei Anschaffungen übernommen, wollten dies jedoch nicht an die große Glocke hängen. Solche Schwierigkeiten fänden dann ihren Niederschlag in psychischen Problemen.

4,1 Tage waren Erwerbspersonen im Saarland im Jahr 2017 wegen psychischer Erkrankungen arbeitsunfähig. Im Bundesdurchschnitt waren es 3,4 Tage.

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