Ärzte Zeitung online, 16.05.2019

Lauterbach

Psychotherapie-Zugang bleibt Baustelle

Die SPD-Fraktion arbeitet an Alternativen zum „gestuften und gesteuerten Zugang“ zur Psychotherapie.

Von Anno Fricke

Psychotherapie-Zugang bleibt Baustelle

Im Umbau: Wie sollen Patienten künftig Zugang zur Psychotherapie bekommen? Die SPD hat dazu eine eigene Arbeitsgruppe eingerichtet.

© jojje11 / stock.adobe.com

BERLIN. Gegen einen gestuften und gesteuerten Zugang zur Psychotherapie gab es um den Jahreswechsel herum massive Proteste der psychotherapeutischen Verbände. Vom Tisch ist er noch nicht. Die SPD arbeitet an einer Alternative. Gründe seien „gravierendste Qualitätsdefizite“ in der psychotherapeutischen Versorgung, sagte der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Professor Karl Lauterbach am Donnerstag in Berlin. Um die Defizite zu beheben, reiche es nicht, einfach eine „zweite Hürde“ einzuführen.

Erste Ergebnisse einer damit befassten Arbeitsgruppe der SPD-Fraktion könne er möglicherweise in der ersten Juniwoche vorstellen. Vor einer Veröffentlichung werde er allerdings versuchen, diese Ergebnisse mit Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zu konsentieren, kündigte Lauterbach an. „Ich will ihn für unsere Vorschläge gewinnen, dass wir uns auf eine gemeinsame Formulierung einigen können“, sagte Lauterbach. Sonst werde er damit härter aufschlagen und versuchen, ihn gegen Vorstellungen aus der Union durchzusetzen.

Derzeit soll der Zugang zur Psychotherapie in der Novelle der Psychotherapeuten-Ausbildung behandelt werden. Hausärzte, Psychotherapeuten, Suchtberatungsstellen und Familiendienste sollen demnach in Zukunft besser zusammenarbeiten. Dafür soll der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) beauftragt werden, die Behandlung besser zu strukturieren und zu koordinieren.

Diese Lösung reiche nicht aus, um die drängendsten Probleme der Versorgung mit psychotherapeutischen Leistungen zu lösen. Zudem werde das Problem einfach an die Selbstverwaltung weitergereicht. Lauterbach nannte vier Punkte, die in der Arbeitsgruppe behandelt werden.

  • Diejenigen, die Therapie am nötigsten bräuchten, bekämen sie oft nicht, weil jetzt schon die Hürden zu hoch seien. Dabei handele es sich oft auch um Patienten, die die Therapeuten selbst nicht so gerne in ihren Wartezimmern sähen.
  • Zudem würden Patienten zu lange und zu intensiv behandelt, die in Wirklichkeit gar keine Psychotherapie benötigten. Das sei eine Überversorgung von Patienten mit geringen Störungsgraden.
  • Es gebe weiter eine massive Überversorgung im stationären Bereich. Viele Patienten, die eigentlich ambulant psychotherapeutisch versorgt werden sollten, würden im Krankenhaus behandelt. Auch weil zu wenige Plätze in der ambulanten Psychotherapie verfügbar seien.
  • Außerdem gebe es in der ambulanten wie in der stationären Versorgung eine viel zu starke Akzentuierung der medikamentösen Therapie im Verhältnis zur Psychotherapie.
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