Ärzte Zeitung, 29.10.2012

Hausarztverträge

"Immer noch besser als der Kollektivvertrag"

Seit zwei Jahren stehen neue Hausarztverträge unter dem Vorbehalt der Finanzierung - ganz zum Ärger von Verbänden und Kollegen. Doch auch die neuen Verträge sind nach Berechnungen des Hausärzteverbandes immer noch besser als Kollektivverträge.

Verband: Hausarztverträge rechnen sich immer noch

Hausarztvertrag: Selbst im neuen Modus mit Paragraf 73b Absatz 5a immer noch günstiger.

© kpa-Royal / [M] Stepan Thomaier

BAD ORB (ras). Jeder Hausarztvertrag, den der Hausärzteverband auch nach den jetzigen restriktiveren gesetzlichen Vorgaben zum Abschluss bringt, ist immer noch besser als alle Kollektivverträge.

Das hat der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Eberhard Mehl, auf der practica 2012 in Bad Orb gesagt. So sei es zum Beispiel in Hessen gelungen, ein Honorarplus von zehn Prozent im Vergleich zum Kollektivvertrag auszuhandeln.

In Nordrhein-Westfalen, einem Bundesland mit einem "miserablen" Kollektivvertrag, sei ein ähnlich positives Ergebnis erzielt worden.

In den neuen Verträgen werden Mehrleistungen grundsätzlich nur dann vergütet, wenn zugleich auch Einsparungen in gleicher Höhe realisiert werden. Der Vertrag für Hessen sei von der Aufsicht nicht beanstandet worden, betonte Mehl.

Die Verträge in NRW und Hessen seien zwar nicht so lukrativ wie der Hausarztvertrag in Baden-Württemberg, aber sie seien immer noch vergleichsweise gute Angebote.

Die Verträge belegten, dass der Hausärzteverband bundesweit der einzige Ärzteverband sei, der das Schicksal der von ihm vertretenen Ärzte "flächendeckend in die eigenen Hände nehmen kann", so Mehl.

Kollektivvertrag vor dem Zusammenbruch?

Die meisten anderen Verbände seien nach wie vor dem Kollektivvertragssystem ausgeliefert. Dieses System sieht Mehl nach dem "desaströsen" Abschluss von 0,9 Prozent für den Orientierungspunktwert ohnehin vor dem Zusammenbruch.

Erleichterung herrschte in Bad Orb darüber, dass die Kontroversen um den Datenschutz in Hausarztverträgen jetzt nur noch auf Schleswig-Holstein beschränkt sind und in allen anderen Bundesländern die Verträge nun als datenschutzkonform gelten.

Auch die "bayerische Katastrophe", die der frühere bayerische Verbandsvorsitzende Dr. Wolfgang Hoppenthaller ausgelöst habe, sieht Mehl mittlerweile als vollständig aufgearbeitet an.

Die politische Auseinandersetzung um die Zukunft der Hausarztverträge sahen die meisten Teilnehmer in Bad Orb gelassen. Angesichts der jüngsten Entwicklungen im Kollektivvertragssystem und dem sich zuspitzenden Ärztemangel "spielt die Zeit für uns", so der Tenor.

Trotzdem dürfe man nicht den Fehler machen, einfach nur abzuwarten, warnte Mehl. Weit besser seien Aktivitäten wie die des Hausärzteverbandes in Bayern.

Dieser will 50.000 Unterschriften zusammenbringen, um den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages zu zwingen, sich mit der Refinanzierungsklausel der Hausarztverträge zu beschäftigen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Würden Ärzte Gröhe wählen?

In einer großen Umfrage fragten wir Ärzte: "Wenn der Bundesgesundheitsminister direkt vom Volk gewählt werden könnte, wen würden Sie wählen?" Lesen Sie hier die Antwort. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »