Ärzte Zeitung, 13.11.2008

Meist bitten Frauen um Hilfe zum Sterben

Schweizer Studie über Sterbehilfeorganisationen / Statistik zeigt: Immer häufiger kommen Menschen ohne lebensbedrohliche Erkrankungen

BERN (ine). Immer öfter wenden sich Menschen an Sterbehilfeorganisationen, die nicht lebensbedrohlich erkrankt sind. Meist sind es Frauen, die um Sterbehilfe bitten. Das sind die Ergebnisse eines Forschungsprojektes, das vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) in Bern unterstützt wurde.

Für die Studie haben Forscher zweier Züricher Hochschulen Fälle von Suizidbeihilfe untersucht, die zwischen 2001 und 2004 vom Institut für Rechtsmedizin der Universität Zürich gemeldet worden sind. Untersucht wurden die Fälle von 274 Menschen, die von der Sterbehilfeorganisation Dignitas, und 147 Menschen, die von Exit in den Tod begleitet wurden. Zusätzlich verglichen die Forscher die Daten mit einer Studie, die alle 149 Fälle von Suizidbeihilfe der Organisation Exit von 1990 bis 2000 in der Stadt Zürich untersucht hatte.

Der Vergleich zeigt deutliche Unterschiede zwischen Dignitas und Exit. Während Exit nur selten Suizidbeihilfe bei Nicht-Schweizern leistete (3 Prozent), waren es bei Dignitas die Mehrzahl (91 Prozent). Das Durchschnittsalter liegt bei Dignitas mit 65 Jahren deutlich unter dem bei Exit (77 Jahre).

"Dieser Unterschied könnte daher rühren, dass Sterbewillige aus dem Ausland noch genügend fit sein müssen, um in die Schweiz reisen zu können", sagt der Arzt, Medizinethiker und Studienleiter Georg Bosshard in einer Mitteilung des SNF. Größer war bei Dignitas hingegen der Anteil von Menschen mit einer tödlichen Krankheit: 79 Prozent der Dignitas-Patienten litten der Studie nach an unheilbaren Krankheiten wie Krebs, multiple Sklerose und amyotrophe Lateralsklerose. Bei Exit betrug der Anteil der unheilbar Kranken im untersuchten Zeitraum 67 Prozent.

Die übrigen Patienten waren meist alte Menschen mit mehreren diagnostizierten Krankheiten - etwa mit rheumatischen Beschwerden oder Schmerzsyndromen. Die Gruppe dieser Menschen hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Dies ergab ein Vergleich mit der Züricher Studie. Zwischen 1990 und 2000 waren 22 Prozent der Suizide von Menschen mit einer nicht unmittelbar zum Tode führenden Krankheit begangen worden. Im Zeitraum von 2001 bis 2004 waren es bereits 34 Prozent.

Bei beiden Organisationen ist zuletzt zudem der Frauenanteil gestiegen. (Dignitas: 64 Prozent, Exit: 65 Prozent). In den 90er Jahren lag ihr Anteil noch bei 52 Prozent.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

30 Minuten Bewegung am Tag verhindern jeden 12. Todesfall

Bewegung verlängert das Leben, das bestätigt die bisher größte Studie zum Thema. Und: Bewegung im Alltag reicht dazu schon aus, es muss kein anstrengender Sport sein. mehr »

Welche Gesundheitspolitiker bleiben im Bundestag?

So sehr sich der Bundestag verändert - viele aus der Gesundheitspolitik vertraute Gesichter werden vermutlich wieder im Gesundheitsausschuss arbeiten. Eine Auswahl. mehr »

Impfpflicht löst Masernproblem nicht

Eine Impfpflicht bei Masern würde ungeimpfte Erwachsene als Verursacher nicht erreichen und Skeptiker vor den Kopf stoßen. Ausbrüche sind nur mit mehr Engagement zu verhindern, so RKI-Präsident Prof. Lothar Wieler. mehr »