Ärzte Zeitung online, 12.12.2008

Landesbischöfin Käßmann kritisiert "Sterben im Fernsehen"

HANNOVER (dpa). Nach der Ausstrahlung der Dokumentation "Recht zu Sterben" über einen begleiteten Selbstmord im britischen Fernsehen hat die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann die öffentliche Zurschaustellung des Themas scharf kritisiert.

Der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse" sagte Käßmann: "Ich kann nur inständig hoffen, dass die Zunft der Fernsehmacher der Versuchung widersteht, nun auch noch den Tod zu vermarkten. Das Sterben gehört nicht ins Fernsehen, da ist für mich eine ethische Grenze von Öffentlichkeit gegeben."

Der reißerische Umgang mit der Selbsttötung könne Druck auf Menschen ausüben, sich das Leben zu nehmen, um Angehörigen oder Pflegenden nicht zur Last zu fallen. "Das wäre ein Trauerspiel für das soziale Miteinander in unserem Land", sagte Käßmann weiter. "840 000 Menschen sterben jedes Jahr in unserem Land", so die Landesbischöfin. 120 seien im Verlauf einiger Jahre zu Dignitas gegangen. "Mir liegt an den 840 000. Ich engagiere mich dafür, dass sie alle in Würde sterben können", sagte sie.

Den Wunsch zu sterben, wenn die Schmerzen unerträglich seien, verstehe sie sehr gut. "Ich plädiere für passive Sterbehilfe, die eben nicht durch Beatmung und Sondenernährung das Leben verlängert, sondern das Sterben zulässt", sagte die Landesbischöfin. Es sei wichtiger, zu ermutigen, das Sterben zuzulassen, rechtzeitig darüber zu sprechen und festzulegen, wie man sterben wolle, "als in Effekthascherei den Tod Einzelner öffentlich zu inszenieren", sagte Käßmann.

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