Ärzte Zeitung online, 18.12.2008

Deutscher Spartensender zeigt britische Selbstmord-Dokumentation

HAMBURG (dpa). Die britische TV-Dokumentation über die begleitete Selbsttötung eines Menschen wird in einer bearbeiteten Fassung auch in Deutschland gezeigt. Der Spartensender Focus Gesundheit, der auf der Pay-TV-Plattform von Premiere empfangbar ist, strahlt am 24. Januar um 22.10 Uhr den 50-minütigen Film "Selbstmord-Touristen" aus.

In der Sendung wird unter anderem der Freitod des 59-jährigen Informatik-Professors Craig Ewert dokumentiert, der an der unheilbaren Nerven- und Muskelkrankheit ALS litt, wie der Focus Magazin Verlag am Donnerstag mitteilte. Ewert ließ sich bei seinem Tod von der umstrittenen Schweizer Sterbehilfeorganisation Dignitas begleiten.

Der Film ist eingebettet in ein vorangestelltes und ein abschließendes Experteninterview mit Professor Christof Müller-Busch, Mitglied der Zentralen Ethikkommission bei der Bundesärztekammer und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin. Der Mediziner werde das Thema Sterbehilfe einordnen und den Film kommentieren, heißt es in der Mitteilung.

Nach der Ausstrahlung der Langfassung in Großbritannien am 10. Dezember hatten Ärzte und Hilfsorganisationen in Deutschland und Großbritannien die Medien zu einem Verzicht auf solche Beiträge aufgerufen. Dabei wurde vor Nachahmungseffekten gewarnt. Wenn dargestellt werde, dass Selbsttötung der vermeintlich leichtere Weg für Todkranke sei, werde das unverantwortliche Konsequenzen für labile Menschen haben, warnte der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe.

Der verantwortliche Chefredakteur der Focus TV Produktions GmbH, Matthias Pfeffer, nannte die Aufregung nicht nachvollziehbar. "Wer die Dokumentation sieht, der stellt fest, dass von Voyeurismus oder Effekthascherei überhaupt keine Rede sein kann." Es handle sich um "eine höchst sensible Darstellung einer individuellen, existenziellen Entscheidung". Er hob die "sensible redaktionelle Einordnung für den Zuschauer" durch den Experten Müller-Busch und die Ausstrahlung erst im Spätprogramm hervor.

Lesen Sie dazu auch:
Spektakulärer Suizid - und Millionen Briten schauen zu
Wo fängt Sterbehilfe an, und wo hört Palliativmedizin auf?

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

30 Minuten Bewegung am Tag verhindern jeden 12. Todesfall

Bewegung verlängert das Leben, das bestätigt die bisher größte Studie zum Thema. Und: Bewegung im Alltag reicht dazu schon aus, es muss kein anstrengender Sport sein. mehr »

Merkel beansprucht Führung weiter für sich

Drastische Einbußen, aber immer noch vorn: Die Wähler versetzen der Union einen Kinnhaken. Die große Koalition scheint passé. Auch die Umfrageteilnehmer der "Ärzte Zeitung" hatten bereits im Vorfeld eine neue "GroKo" abgelehnt. mehr »

Impfpflicht löst Masernproblem nicht

Eine Impfpflicht bei Masern würde ungeimpfte Erwachsene als Verursacher nicht erreichen und Skeptiker vor den Kopf stoßen. Ausbrüche sind nur mit mehr Engagement zu verhindern, so RKI-Präsident Prof. Lothar Wieler. mehr »