Ärzte Zeitung online, 10.08.2009

Hospizstiftung besorgt über britische Sterbehilfe-Diskussion

LONDON (dpa). Die Deutsche Hospizstiftung fürchtet ein Aufweichen der Sterbehilfe-Regeln in Großbritannien mit Folgen für ganz Europa. Grund ist eine Forderung des höchsten Gerichts nach klaren Kriterien, in welchen Fällen Angehörige bestraft werden, die ihre Partner zu Sterbekliniken ins Ausland fahren. In Deutschland ist eine solche Begleitung nicht strafbar.

"Daraus wird schnell eine Diskussion darüber, wann ein Leben würdig und wann es unwürdig ist", sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch in einem Telefongespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. "Außerdem ist das nur der erste Schritt, dem andere folgen könnten. Es besteht die Gefahr, dass das Muster der Schweiz dann in Großbritannien etabliert wird", sagte Brysch mit Blick auf die Sterbekliniken der umstrittenen Organisation Dignitas. Dies könnte aus seiner Sicht auch Einfluss auf die Haltung anderer europäischer Länder haben.

Beim Strafrecht gebe es nur ein "Ja" oder ein "Nein". Mit der Zusammenstellung von Kriterien, wann Angehörige für die Reise in eine Sterbeklinik bestraft werden, könnten unlautere Motive nicht berücksichtigt werden. "Es droht ein Dammbruch, wenn erstmal die Kriterien definiert sind, kann es auch zu einer Gesetzesänderung kommen", fürchtete Brysch. Allerdings hatte sich in der Vergangenheit nie eine Mehrheit für eine Gesetzesänderung abgezeichnet, die Sterbehilfe in Großbritannien legitimieren würde.

Grund für die Unklarheit war, dass in Großbritannien zwar "Hilfe, Unterstützung und Beratung" zum Selbstmord nicht erlaubt sind und mit 14 Jahren Gefängnis bestraft werden können, bislang aber niemand verfolgt wurde, der seinen Angehörigen zum Sterben in die Schweiz gefahren hatte.

Eine Frau, die an Multipler Sklerose leidet und einen Selbstmord in einer Dignitas-Sterbeklinik in Betracht zieht, pochte beim obersten Gericht des Königreichs auf eine Klarstellung des Gesetzes. Sie wollte verbindlich wissen, ob ihr Ehemann von der Staatsanwaltschaft verfolgt wird, wenn dieser sie zum Sterben in die Schweiz bringt. Die Lordrichter sahen in den unklaren Kriterien der Strafverfolger einen unzulässigen Eingriff in die Privatsphäre.

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