Ärzte Zeitung, 24.02.2010
 

Briten diskutieren heftig über Sterbehilfe

Journalist gesteht, seinen todkranken Lebenspartner erstickt zu haben / Bekannte Schriftsteller heizen Debatte an

LONDON (ast). Der britische Gesetzgeber sieht derzeit "keinen Handlungsbedarf" in Sachen ärztlicher Sterbehilfe. Das hat die "Ärzte Zeitung" aus Londoner Regierungskreisen erfahren. Innerhalb der britischen Ärzteschaft wird unterdessen abermals kontrovers und hitzig über das Thema diskutiert.

Anlaß für die jüngste Euthanasie-Debatte ist der Fall eines ehemaligen BBC-Journalisten, der in einer Fernsehsendung zugab, vor mehr als 20 Jahren seinen damaligen Lebenspartner in einem englischen Krankenhaus erstickt zu haben. Sein damaliger Lebenspartner sei an Aids erkrankt, und er habe unter "unerträglichen Schmerzen" gelitten, so der Journalist Ray Gosling.

"Die behandelnden Ärzte sagten mir, sie könnten meinem Partner nicht mehr helfen. Daraufhin bat ich darum, mit meinem Mann für einige Minuten allein sein zu dürfen. Ich hielt ein Kopfkissen über seinen Kopf, bis er tot war. Als die Ärzte wieder ins Zimmer kamen, sagte ich, er sei eingeschlafen. Niemand sprach je wieder darüber." Inzwischen ermittelt die Polizei gegen Gosling.

Erst kürzlich hatte der englische Schriftsteller Martin Amis provokativ und öffentlichkeitswirksam die Einrichtung von "Euthanasie-Häuschen" für alte Menschen gefordert. Auch der Schriftsteller Terry Pratchett meldete sich zu Wort. Pratchett verlangt öffentlich die Einrichtung von "Ausschüssen", denen Sterbewillige ihren Fall zur Entscheidung vorlegen können.

Die britische Regierung sieht dagegen derzeit "keinen Handlungsbedarf" in Sachen Sterbehilfe. "Die Regelungen sind klar und besagen, dass aktive Sterbehilfe gesetzeswidrig ist", sagte ein Sprecher des Londoner Gesundheitsministeriums zur "Ärzte Zeitung".

Innerhalb der britischen Ärzteschaft ist unterdessen eine neue Debatte über die Sterbehilfe entbrannt. Der Fall des Journalisten Gosling zeige das Dilemma, in das viele Ärzte bei der Behandlung unheilbar kranker Patienten kommen, so ein Sprecher des Ärztebundes (British Medical Association, BMA). Die BMA vermied es allerdings, in der aktuellen Debatte eine Gesetzesänderung zu verlangen.

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