Ärzte Zeitung, 28.05.2010

Palliativversorgung - ein Lichtblick im Norden

SAPV-Projekt im Großraum Oldenburg mit positiver Zwischenbilanz / Koordinierungsbüro ab Sommer geplant

OLDENBURG (cben) Die spezialisierte ambulante Pallativversorgung (SAPV) funktioniert in vielen Regionen bisher nicht. Aber es gibt positive Ausnahmen - zum Beispiel im Großraum Oldenburg.

Vor einem Jahr hat das Oldenburger Ärztenetz pleXxon GbR unter dem Dach der Ärztegenossenschaft Niedersachsen-Bremen (ägnw) damit begonnen, in Eigenregie und auf eigenes Risiko eine spezialisierte ambulante Palliativversorgung in der Region auf die Beine zu stellen.

Im März 2010 wurde nach dem niedersächsischen Mustervertrag zur SAPV eine Vereinbarung getroffen. "Anfangs haben wir die Palliativpatienten auch ohne Vertrag einfach versorgt und die Rechnungen an die Kassen geschickt", sagt Andreas Rühle, Geschäftsführer der ägnw. Ende 2009 war auch der entsprechende beim Land beantragte Palliativstützpunkt namens Ammerland-Uplengen in Hannover genehmigt worden und damit 25 000 Euro für das erste Jahr. Niedersachsen plant nach eigenen Angaben, 40 Palliativstützpunkte im Land aufzubauen.

Träger der SAPV sind die pleXxon-Mitglieder, die mit der Trägergesellschaft einen zusätzlichen Kooperationsvertrag abgeschlossen haben. Die Patienten können nur von Hausärzten in den Vertrag eingeschrieben werden. Diese erhalten keine Honorare aus dem SAPV-Topf, sondern rechnen ihre Leistungen normal mit der KV ab. Palliativmedizinische Leistungen werden von entsprechend ausgebildeten Ärzten angeleitet, so Rühle. Die Arbeit des Hausarztes soll nicht ersetzt werden, sondern palliativmedizinisch ergänzt, hieß es.

Das Konzept funktioniert offenbar. Eine eigene Telefon-Hotline wurde eingerichtet, im Sommer folgt ein SAPV-Koordinierungsbüro, kündigt Rühle an. "Inzwischen haben wir insgesamt 120 Patientinnen und Patienten versorgt", erklärt Rühle heute, "wenn man das mit den Zahlen des GBA von deutschlandweit rund 700 durch die Kassen erstatteten Fälle vergleicht, dann haben wir einen großen Anteil daran." Laut GBA sind seit Inkrafttreten der SAPV-Gesetzgebung rund 85 000 Menschen berechtigt gewesen, aber bis Ende 2009 sind nur 777 Fälle mit den Kassen abgerechnet worden.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Ob Land oder Kleinstadt – ohne Arzt läuft’s nicht

Menschen in ländlichen Regionen fühlen sich zunehmend abgehängt von guter medizinischer Versorgung, so eine aktuelle Umfrage. Eine Initiative der AOK will das nun ändern. mehr »

Keine Kündigung wegen Wiederheirat!

Der Fall zieht sich seit 10 Jahren durch die Gerichte: Einem Chefarzt an einem katholischen Krankenhaus war wegen Wiederheirat nach Scheidung gekündigt worden. Das BAG hat nun entschieden: Die Kündigung ist unwirksam. mehr »

Neue Migräne bei Älteren ist ein Warnsignal

Patienten, die erst nach dem 50. Lebensjahr eine Migräne mit Aura entwickeln, haben offenbar ein signifikant erhöhtes Schlaganfallrisiko. Ursache könnten (Mikro-)Embolien sein. mehr »