Ärzte Zeitung online, 15.06.2010

Bischof fordert Korrekturen bei Patientenverfügung

ROTTENBURG (dpa). Der Rottenburger Bischof Gebhard Fürst hat die Politik aufgefordert, die Gültigkeit von Patientenverfügungen zu begrenzen. Es dürfe nicht sein, dass zum Beispiel bei Demenzkranken die lebensnotwendige künstliche Ernährung beendet werde - selbst wenn dies der Erkrankte zuvor so festgelegt habe.

"Wachkoma-Patienten oder Demenzkranke sind Lebende, nicht Sterbende", teilte der Bioethik-Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz mit.

Nach aktueller Rechtslage kann jeder Erwachsene in einer Patientenverfügung festlegen, ob und wie er ärztlich behandelt werden möchte, wenn er seinen Willen nicht mehr selbst äußern kann. Das gilt nicht nur für tödliche Krankheiten, sondern auch für Fälle von Wachkoma oder schwerer Demenz.

Zudem mahnte Fürst, dass ein gesunder Mensch in einer Patientenverfügung Entscheidungen niederschreiben könnte, die "in der realen Konfrontation mit dem Sterben" ganz anders ausfallen würden. Deshalb halte er es für einen guten Weg, einen Bevollmächtigten zu benennen. Dessen Aufgabe wäre es dann, gemeinsam mit Ärzten, Pflegern und Angehörigen den mutmaßlichen Willen des Patienten herauszufinden und durchzusetzen.

Der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart ist zugleich Vorsitzender der Unterkommission Bioethik der Deutschen Bischofskonferenz.

Lesen Sie dazu auch:
Patientenverfügung: "Im Zweifel das Gericht anrufen"

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