Ärzte Zeitung online, 18.10.2010

Kusch weitet Sterbehilfe anscheinend aus

HAMBURG (bee/eb). Der frühere Hamburger Justizsenator Roger Kusch hat seine Aktivitäten mit dem Verein "Sterbehilfe Deutschland" 2010 anscheinend ausgeweitet. Nach einem Bericht des "Focus" haben Kusch und seine Mitarbeiter in mehr als zehn Fällen Menschen beim Sterben geholfen.

Kusch weitet Sterbehilfe scheinbar aus

Roger Kusch: Beratungsgespräche für Sterbewillige.

© dpa

Kusch selbst sei laut "Focus" "für Beratungsgespräche zu Sterbewilligen in ganz Deutschland gereist". Persönlich habe er aber keine Sterbehilfe geleistet, so der Bericht.

Das Hamburger Verwaltungsgericht hatte ihm Anfang 2009 in einem Eilverfahren die Sterbehilfe untersagt. Kusch wollte damals gegen eine Verbotsverfügung der Hansestadt vorgehen. Für das Gericht war das Verbot aber nicht zu beanstanden.

Zur Begründung hieß es damals, Kuschs "fortgesetzte Suizidunterstützung" gefährde die öffentliche Sicherheit. Die Polizei sei verpflichtet, Selbstmorde zu verhindern, auch wenn sie die "persönliche Grenzentscheidung" eines Menschen respektieren müsse.

Das Gericht nannte Kuschs Geschäftspraktiken damals "kein erlaubtes Gewerbe". Beihilfe zum Selbstmord sei zwar nicht strafbar, hier gehe es aber "um die sozial unwertige Kommerzialisierung des Sterbens durch Beihilfe zum Suizid gegen Entgelt".

Kurz nach dem Urteil distanzierte sich der ehemalige CDU-Politiker von seinem Geschäft. "Ich biete die Suizidbegleitung nicht mehr an", sagt er damals.

Seinen Meinungswandel begründete der Jurist mit den Schwierigkeiten, in Deutschland legal die notwendigen Medikamente zu bekommen: "Sie müssen immer mit Tricks und Heimlichkeiten arbeiten, und das finde ich am Lebensende unwürdig."

Im Juni 2008 hatte Kusch zunächst einer 79 Jahre alten Frau aus Würzburg Sterbehilfe geleistet und damit eine Welle der Empörung ausgelöst. Die Ermittlungsbehörde stufte den Tod der Frau nach deren Obduktion als Suizid ohne Fremdbeteiligung ein.

Ausgangspunkt der Hamburger Ermittlungen war dann der Tod einer 84 Jahre alten Rentnerin in der Hansestadt Ende September 2008. Der Ex-Justizsenator hatte die lebensmüde Frau beim Selbstmord unterstützt.

Lesen Sie dazu auch:
Kusch will keine Sterbehilfe mehr leisten
Kuschs "sozial unwertiges Gewerbe"
Gericht verbietet Kusch weitere Sterbehilfe - "Kommerzialisierung des Sterbens"
Sterbehilfe: Gericht entscheidet über Polizeiverfügung gegen Kusch

[19.10.2010, 12:26:16]
Dieter Döring 
Kusch weitet Sterbehilfe anscheinend aus
Unglaublich, was in Deutschland abgeht. zum Beitrag »

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