Ärzte Zeitung, 08.12.2010

Palliativärzte richten Hilferuf an Angela Merkel

FULDA (fuh). Der Palliativmediziner Thomas Sitte hat zusammen mit Kollegen einen offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel geschrieben, in dem er dringenden Handlungsbedarf mit Blick auf die medikamentöse Versorgung von sterbenskranken Menschen in häuslicher Umgebung anmahnt. Sitte hofft, dass der Brief online von möglichst vielen Menschen unterstützt wird.

Häufig sei es etwa zu ungünstigen Tageszeiten oder bei schlechten Wetterbedingungen nötig, den sterbenskranken Patienten medizinisch zwingend erforderliche Medikamente zu überlassen, heißt es in dem Brief. "Schmerzen und andere Qualen halten sich nicht an Öffnungszeiten von Apotheken", kritisiert Sitte. Palliativmediziner auf Hausbesuch dürfen aber zum Beispiel morphinähnliche Medikamente gegen schwerste Schmerzen oder Atemnot auch nicht in wenigen Einzeldosen zur Überbrückung dieser Zeit beim Patienten lassen. "Tun sie das", erläutert Sitte, "so ist dies eindeutig ein Straftatbestand!"

Problematisiert wird auch der rechtlich riskante, aber aus Sicht von Sitte oft nicht vermeidbare "off label use" von Medikamenten - insbesondere bei sterbenskranken Kinder.

"Menschen, die medizinisch korrekt und gesellschaftlich erwünscht anderen in Not helfen, dürfen nicht von existenzvernichtenden Geldbußen und Haftstrafen bedroht sein", sagt Sitte und bittet die Kanzlerin um Hilfe.

Zum offenen Brief an die Bundeskanzlerin
Wer abstimmen will, muss sich registrieren (die Möglichkeit dazu findet man direkt unter dem offenen Brief).

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Bundestag will zweite Runde für TSVG

Die erste Anhörungsrunde zum Termineservicegesetz verlief erwartungsgemäß kontrovers. Der Gesundheitsausschuss hat für den 13. Februar eine weitere Anhörung angesetzt. mehr »

Paul Ehrlich-Preis für Forschung zu Proteinfaltung

Für ihre Forschung zu Chaperonen erhalten Franz-Ulrich Hartl und Arthur L. Horwich den Paul Ehrlich-Preis 2019. Ihre Erkenntnisse könnten für neue Therapien bei neurodegenerativen Erkrankungen eingesetzt werden. mehr »

Ärzte sehr enttäuscht über Brexit-Votum

Das britische Parlament hat das von Premierministerin May ausgehandelte Brexit-Abkommen mit der EU abgeschmettert. Ärzte und Pharmabranche zeigen sich enttäuscht – und fordern endlich Klarheit. mehr »