Kongress, 10.05.2011

Ambulante Palliativversorgung auf besserem Weg

Der Start war zäh, doch jetzt entwickelt sich der Aufbau der Spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) positiv. Die Mehrheit der Sterbenskranken benötigt ohnehin nicht SAPV, sondern andere Versorgungsformen.

Von Christoph Fuhr

Ambulante Palliativversorgung auf besserem Weg

In Würde die letzte Phase des Lebens verbringen - dabei soll Palliativmedizin helfen.

© Klaro

BERLIN. Sie soll die Lebensqualität und die Selbstbestimmung schwerstkranker Menschen erhalten, fördern und verbessern, sie soll ihnen ein menschenwürdiges Leben bis zum Tod in ihrer vertrauten häuslichen Umgebung oder in einer stationären Pflegeeinrichtung ermöglichen: Mit der vom Gesetzgeber initiierten spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) sind ehrgeizige Ziele verknüpft.

Im Vordergrund steht anstelle eines kurativen Ansatzes die medizinisch-pflegerische Zielsetzung, Symptome und Leiden einzelfallgerecht zu lindern. Die Umsetzung der SAPV in Deutschland allerdings gestaltet sich ungemein schwierig.

Mangelnde Kooperationsbereitschaft mancher Kassen, ein regionaler Flickenteppich an SAPV-Verträgen, frustrierende und demotivierende Erfahrungen von Menschen, die bereit waren und sind, die SAPV mit Leben zu erfüllen.

170 verschiedene SAPV-Verträge

Es gibt derzeit mindestens 170 verschiedene SAPV-Verträge - mit steigender Tendenz. Die aktuelle Versorgungslage ist allerdings von Intransparenz, Heterogenität und Unsicherheit geprägt. "Wir brauchen dringend Transparenz, insbesondere mit Blick auf eine Vergleichbarkeit von Verträgen", so die Forderung von SAPV-Vertragsexperten in Berlin. Vielen Kassen sei Transparenz aber ein Dorn im Auge.

Bei der Diskussion um eine gute ambulante Betreuung sterbenskranker Menschen ist die Tatsache in den Hintergrund getreten, dass längst nicht jeder Mensch, der im Sterben liegt, tatsächlich auf SAPV angewiesen ist.

Es gibt einen Konsens von Experten, nach dem 90 Prozent der Sterbenden ambulant durch ihren vertrauten Hausarzt in Kooperation mit anderen Vertragsärzten, Pflegern und weiteren nichtärztlichen Berufen versorgt werden - auf Basis der Allgemeinen ambulante Palliativversorgung (AAPV).

Hausarzt hat Schlüsselstellung

Hier hat der Hausarzt eine Schlüsselstellung. Eine intensive Betreuung durch den Hausarzt ist in den derzeitigen Strukturen zwischen der kurativen vertragsärztlichen Versorgung und der SAPV allerdings nicht definiert. Das Kassenärztliche Bundesvereinigung will hier mit einem speziellen Versorgungskonzept neue Standards setzen.

Notwendig ist dafür aus KBV-Sicht eine vernetzte, kooperative Versorgung mit eindeutigen Schnittstellendefinitionen.

Sterben zu Hause - das ist allerdings längst nicht für jeden Patienten eine Option. Die Würzburger Palliativmedizinerin Dr. Birgitt van Oorschot etwa hat bei einer Tagung in Berlin davor gewarnt, das Sterben zu Hause absolut zu setzen. "Es gibt immer wieder Patienten, die in der Phase des Sterbens die Sicherheit der Klinik vorziehen", sagte sie.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Schmerzloses Impfen per Pflaster

Forscher arbeiten an Impfpflastern, mit denen sich Vakzinen schmerzfrei applizieren lassen, ganz ohne Nadel. Die Pflaster haben viele Vorteile und könnten für höhere Impfraten sorgen. mehr »

Paul Ehrlich-Preis für Forschung zu Proteinfaltung

Für ihre Forschung zu Chaperonen erhalten Franz-Ulrich Hartl und Arthur L. Horwich den Paul Ehrlich-Preis 2019. Ihre Erkenntnisse könnten für neue Therapien bei neurodegenerativen Erkrankungen eingesetzt werden. mehr »

Ärzte sehr enttäuscht über Brexit-Votum

Das britische Parlament hat das von Premierministerin May ausgehandelte Brexit-Abkommen mit der EU abgeschmettert. Ärzte und Pharmabranche zeigen sich enttäuscht – und fordern endlich Klarheit. mehr »