Ärzte Zeitung, 02.06.2011

Palliativmedizin soll stärker in den Fokus gestellt werden

Palliativmedizin soll stärker in den Fokus gestellt werden

KIEL (bee). Einen stärkeren Ausbau der palliativmedizinischen Versorgungsstrukturen haben die Delegierten des Ärztetages gefordert. Damit senden sie einen klaren Appell an Kassen, verstärkt Verträge auch zur spezialisierten ambulanten Palliativversorung (SAPV) zu schließen.

Professor Friedemann Nauck, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, forderte, dass diese Angebote für jeden Patienten in Deutschland flächendeckend verfügbar sein müssen. Dabei sollte es egal sein, ob die palliativmedizinische Versorgung beim Patienten zu Hause, in der Klinik oder im Pflegeheim stattfindet.

Außerdem sollte sich der Fokus der Versorgung nicht nur auf Patienten mit onkologischen Erkrankungen konzentrieren, sondern auf Patienten mit neurologischen oder kardialen Krankheiten ausgeweitet werden.

Die Hausärztin Dr. Elisabeth Albrecht forderte, dass mehr Ärzte Grundwissen über Palliativmedizin erwerben sollten. Gerade für Hausärzte sei die 40-stündige Fortbildung immens wichtig. "Es ist für mich die intensivste Arbeit für meine langjährigen Patienten", sagte Albrecht.

Allerdings stehe auch die Finanzierung der Allgemeinen Ambulanten Palliativversorgung (AAPV) auf wackeligen Füßen: Die GOÄ kennt keine Pallitativversorgung, in der GKV ist sie gedeckelt. "Es ist ein Risiko für Ärzte, die viele ältere Patienten versorgen."

In Deutschland gibt es derzeit 220 Pallitativstationen, die unterschiedlich wirtschaftlich aufgestellt sind. Professor Nauck von der Gesellschaft für Palliativvmedizin rechnet vor, dass ungefähr 30 Palliativmedizinische Betten pro eine Million Einwohner benötigt werden.

In Deutschland sind momentan 22 Betten pro eine Million Einwohner vorhanden. Wegen der demografischen Entwicklung wird man etwa 30 Betten zusätzlich brauchen.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Auf Zungenküsse besser verzichten?

Zungenküsse erhöhen offenbar das Risiko für HPV-Infekte und damit auch für Mund-Rachen-Tumoren. US-Experten haben sich das Krebsrisiko jetzt einmal genauer angesehen. mehr »

Das ist bei einer Datenpanne zu tun

Bei einem Datenleck in der Praxis sind Inhaber nach der Datenschutzgrundverordnung verpflichtet, dies zu melden. Wem und wie, das erläutern Medizinrechtler. mehr »

Urologen befeuern Diskussion um Herztoddiagnostik

Die Deutsche Gesellschaft für Urologie fordert große Reformen bei der Organspende. DGU-Präsident Professor Paolo Fornara erläutert im Interview, welche Neuregelungen seiner Meinung nach dringend nötig sind. mehr »