Ärzte Zeitung online, 01.06.2011

Ärzte verbieten sich die Hilfe zur Selbsttötung

Ärzte verbieten sich die Hilfe zur Selbsttötung

KIEL (eb). Die Worte sind eindeutig: Ärzte "dürfen keine Hilfe zur Selbsttötung leisten." So haben es jetzt die Delegierten beim 114. Ärztetag in Kiel beschlossen.

Komplett lautet die Neuformulierung in der Musterberufsordnung (MB): "Ärztinnen und Ärzte haben Sterbenden unter Wahrung ihrer Würde und unter Achtung ihres Willens beizustehen. Es ist ihnen verboten, Patienten auf deren Verlangen zu töten. Sie dürfen keine Hilfe zur Selbsttötung leisten."

In der bislang geltenden Berufsordnung war ein ausdrückliches Verbot der ärztlichen Suizidbegleitung nicht enthalten. Bislang hieß es, Ärztinnen und Ärzte seien verpflichtet, auf lebensverlängernde Maßnahmen nur dann zu verzichten, wenn ein Hinausschieben des unvermeidbaren Todes für die sterbende Person lediglich eine unzumutbare Verlängerung des Leidens bedeutet.

Die Neufassung des Paragrafen 16 der MBO soll für mehr Klarheit sorgen. Der scheidende Präsident der Bundesärztekammer, Professor Jörg-Dietrich Hoppe, hatte bereits im Vorfeld des Ärztetages für die Neuformulierung geworben. Künftig müsse und könne man die Vorgaben nicht mehr interpretieren.

Der Umgang mit schwerkranken und sterbenden Menschen stand auch im Mittelpunkt der Beratungen des Ärztetages über die künftige Ausgestaltung der Palliativmedizin. "Unser Ziel ist es, die Palliativmedizin nachhaltig und flächendeckend in die ambulante und stationäre Versorgung zu integrieren", sagte Professor Friedemann Nauck, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin.

Der Ärztetag forderte nun den weiteren Ausbau von Lehrstühlen für Palliativmedizin. Seit rund zwei Jahren ist die Palliativmedizin als Pflichtlehr- und Prüfungsfach im Medizinstudium vorgeschrieben.

Angehende Mediziner müssten dort auch die "erforderlichen kommunikativen Kompetenz in der Begegnung mit den Patienten und deren Angehörigen" erlernen, forderte Nauck.

Auch die Auseinandersetzung mit ethischen Fragen sowie die Arbeit im multiprofessionellen Team und in institutionellen Netzwerken gehöre dazu.

Eine zielgerichtete Aus-, Weiter- und Fortbildung müsse nach Ansicht des Ärzteparlaments zudem auf evidenzbasierten Forschungsergebnissen im Bereich der Palliativmedizin beruhen.

Das Ärzteparlament sprach sich außerdem für einen Ausbau ambulanter palliativmedizinischer Versorgungsstrukturen aus. Nach Überzeugung des Ärztetages ist der Gesetzgeber gefordert, eine qualitativ hochwertige allgemeine ambulante Palliativversorgung zu ermöglichen, sowie der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung kollektivvertragliche Verträge zu Grunde zu legen oder eine integrierte palliativmedizinische Versorgung in einer gemeinsamen Vertragsform zu fördern.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Auf Frühstück zu verzichten erhöht Diabetes-Gefahr

Wer das Frühststücken auslässt, erhöht damit womöglich das Risiko, an Diabetes zu erkranken. Eine Metaanalyse mit fast 100.000 Teilnehmern zeigt: Die Gefahr wächst mit den Tagen. mehr »

Grünes Licht für die MWBO-Novelle

Weniger Richtzeiten und kompetenzbasiertes Lernen: Der Vorstand der Bundesärztekammer hat die Novelle der (Muster-)Weiterbildungsordnung beschlossen. mehr »

Verdacht auf Kindesmisshandlung? Das sollten Ärzte dann tun

Haben Ärzte den Verdacht, dass ein Kind vernachlässigt, misshandelt oder gar missbraucht wird, sollten sie umgehend tätig werden. Wie sie vorgehen sollten, erläutert Oliver Berthold, Leiter der Kinderschutzambulanz in Berlin. mehr »