Ärzte Zeitung, 13.07.2011

Stationäre Hospize und Kassen streiten über faire Vergütung

Hospize in Westfalen-Lippe setzen auf verlässliche Finanzierung ihrer Arbeit - Kassen wehren Forderungen ab.

Von Ilse Schlingensiepen

KÖLN In Westfalen-Lippe streiten Krankenkassen und stationäre Hospize über die Vergütung. Die "Arbeitsgemeinschaft der stationären Hospize in Westfalen und Lippe" wirft den Kassen eine Blockadehaltung vor und will die Entscheidung einer unabhängigen Schiedsperson herbeiführen. Die Kassen weisen die Vorwürfe zurück.

Von den 25 Hospizen in Westfalen-Lippe haben bislang erst zwei eine Vergütungsvereinbarung ausgehandelt. Ein Drittel der Einrichtungen haben nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft noch nicht einmal ein Angebot der Kassen erhalten.

Bei den übrigen seien die angebotenen Vergütungssätze viel zu gering. "Die Hospize benötigen eine verlässliche Finanzierung ihrer Arbeit, damit Sterbende angemessen am Lebensende versorgt werden können", sagt Erich Lange vom Hospiz- und Palliativverband NRW.

Kosten sind höher als der Pflegesatz

Der durchschnittliche Pflegesatz betrage 235 Euro pro Tag, von denen die Hospize 23 Euro als Eigenanteil tragen. Die Kosten beliefen sich aber auf rund 285 Euro.

Obwohl allein die Personalkosten 2010 um drei Prozent gestiegen seien, würden die Kassen nur maximal 1,5 Prozent mehr anbieten. Die Hospize kritisieren, dass die Vergütungen in der Region deutlich unter den Sätzen anderer westdeutscher Bundesländer lägen.

"Wir müssen uns in den Verhandlungen komplett von den bisherigen Sätzen lösen, die deutlich zu niedrig sind", sagt Eric Lanzrath von der Caritas. Er fordert eine Neubewertung der notwendigen Personalausstattung.

Klageruf nun in Westfalen-Lippe

Die Vergütungen in Westfalen-Lippe seien fast identisch mit denen in Nordrhein, dort klage aber keine Einrichtung über eine finanzielle Schieflage, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der AOK und des Ersatzkassenverbands vdek.

"Die Betreiber der Einrichtungen sollten sich selbstkritisch fragen, ob Forderungen von teilweise mehr als 40 Prozent wirtschaftlich zu vertreten und damit gerechtfertigt sind." Die Kassen rufen die Hospize auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Jede achte Frau braucht nach der Geburt Antidepressiva

Etwa elf Prozent aller Frauen leiden im ersten Jahr nach der Geburt an Depressionen. Unter jungen Frauen im Alter von 15 bis 19 Jahren ist der Anteil fast doppelt so hoch. mehr »

Die Malaria-Gefahr wächst

Weltweit steigen Erkrankungszahlen an Malaria seit zwei Jahren wieder. Es trifft nicht nur Kinder in Entwicklungsländern, sondern auch Reisende aus Deutschland. mehr »

„Mütter sind die zentralen Ansprechpartner“

In dieser Woche werben Urologen für die HPV-Impfung. Vor allem bei Jungen besteht Nachholbedarf. Wie sie für eine Impfung gewonnen werden sollen, erklärt der Vorsitzende des Berufsverbandes Dr. Axel Schroeder. mehr »