Ärzte Zeitung, 28.03.2013

Palliativmediziner

"Keine Profis für das Lebensende"

Palliativmedizin ist mehr als Sterbebegleitung. Dieses Wissen wollen und sollen die Fachleute stärker nach außen verbreiten.

BREMEN. Palliativmediziner sind keine Profis fürs Lebensende. Das sagte der Göttinger Palliativmediziner, Professor Friedemann Nauck, auf dem Bremer Palliativkongress.

Er plädierte für eine möglichst frühe Integration der Palliativmedizin in den Behandlungsablauf.

"Es ist nachgewiesen, dass die frühe Integration die Lebensqualität des Patienten verbessert und sein Leben verlängert", so Nauck in seinem Einführungsvortrag des Bremer Kongresses.

Immer genau abwägen

Betroffen seien nicht nur Tumorpatienten. Es müsse immer genau abgewogen werden, wie die Palliativmedizin auch für andere Patienten eingesetzt wird.

"Die Frage ist, wie können wir die bisher unterrepräsentierten Patienten integrieren?", fragte der Palliativmediziner. Er berichtete von einem Landwirt, der nach einem Herzinfarkt ein externes, künstliches Herz erhielt und mit diesem Gerät unbedingt nach Hause wollte.

Was tun? Die Frage war, ob ein ambulantes Team es schaffen würde mit dieser Technik umzugehen. "Palliativmedizin fängt da an, wo andere sagen: geht nicht", so Nauck.

Schließlich versorgte ein achtköpfiges SAPV-Team den Herz-Patienten zu Hause. "Wir brauchen eine Toleranz auch für solche ungewöhnlichen Wege, um mit diesem Selbstverständnis an die Aufgaben heran zu gehen."

"Symptomkontrolle geht auch zu Hause"

Dazu müsse die Palliativmedizin aber viel offensiver nach außen getragen werden. So haben Nauck und andere Palliativmediziner ihren kardiologischen Kollegen 2011 über die breite Versorgung der SAPV Patienten informiert.

"Von der Symptomkontrolle bis zur psychologischen Begleitung. Bei den Kollegen ist aber nur hängen geblieben - Symptomkontrolle geht auch zu Hause", berichtete er.

"Das heißt, wir müssen unsere Arbeit noch mehr nach außen tragen und klar machen, dass in der Palliativmedizin die Versorgung mehr von den Bedürfnissen der Patienten abhängt, als von ihren Diagnosen."

Die Missverständnisse über die palliativmedizinische Versorgung müsse die Palliativmedizin selber ausräumen.

"Wir sind keine Profis für das Lebensende, sondern wir reihen uns ein in die Arbeit anderer Versorger."

Palliativmedizin müsse deshalb immer neue Kooperationen suchen, Veränderungen wagen und "kein weiter wie bisher" zulassen." (cben)

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