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Ärzte Zeitung, 29.11.2013

Belgien

Senatskammer will Sterbehilfe für Minderjährige

BRÜSSEL. In Belgien hat der Senats-Ausschuss für Justiz und Soziales einem Gesetzentwurf zugestimmt, der aktive Sterbehilfe auch für Minderjährige möglich machen würde. Belgien hat seit 2002 eines der weltweit "liberalsten" Sterbehilfegesetze.

Anfang November hatten 16 Pädiater in einem offenen Brief in zwei Zeitungen für die Möglichkeit der aktiven Sterbehilfe auch bei Kindern plädiert. Ärzte hätten die Pflicht, ihren Patienten auch in ausweglosen Situationen mit der größtmöglichen Menschlichkeit zu helfen, heißt es.

"Warum soll man Minderjährige von dieser ultimativen Möglichkeit ausschließen", fragen die Pädiater. Voraussetzungen für diesen Schritt sind unter anderem, dass der Patient eine unheilbare Erkrankung hat und unter unerträglichen Schmerzen leidet.

Die Senatsvorlage, die am Mittwoch mit 26 Ja- und acht Nein-Stimmen gebilligt wurde, sieht kein Mindestalter vor, ab dem ein ausreichendes Maß an Urteilsfähigkeit unterstellt wird. Sachverständige hätten bei Anhörungen die außergewöhnliche Reife von Kindern betont, die mit dem bevorstehenden Tod konfrontiert sind, heißt es.

Entsprechend setzt der Entwurf kein Mindestalter fest. Entscheidend sei die Frage, ob sich der Patient der Konsequenzen des Wunsches, sterben zu wollen, bewusst sei. Dies müsse in jedem individuellen Fall evaluiert werden.

Der Gesetzentwurf schreibt vor, dass ein auf Kinder und Jugendliche spezialisierter Psychiater oder Psychologe hinzugezogen werden muss. Der Patientenwunsch und die Zustimmung der Eltern müssen schriftlich vorliegen. Das Senatsplenum und die zweite Kammer des Parlaments müssen die Vorlage nun behandeln.

Laut der belgischen Kontrollkommission hat es in den Jahren 2010/2011 ingesamt 2086 Fälle gegeben, in denen der Wunsch nach Sterbehilfe geäußert wurde. Die Kommission hat den Auftrag, die Einhaltung des Sterbehilfe-Gesetzes zu überwachen.

52 Prozent der Patienten waren zwischen 60 und 79 Jahre alt, 27 Prozent waren 80 Jahre oder älter. Drei Viertel der Betroffenen hatte Krebs. (fst)

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