Ärzte Zeitung online, 03.02.2014
 

Schwere Erkrankungen

Mehrheit kann sich Suizid vorstellen

Führende Unions-Politiker wollen die organisierte Sterbehilfe verbieten. Doch viele Bürger können sich Suizid als Ausweg etwa bei schwerer Krankheit vorstellen.

BERLIN. 55 Prozent der Deutschen können sich im Alter einen Suizid aufgrund von schwerer Krankheit, langer Pflegebedürftigkeit oder Demenz vorstellen. Das ergab eine Umfrage des Instituts TNS Forschung im Auftrag des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel".

Während sich jüngere Menschen im Alter bis 29 Jahre eher einen Freitod vorstellen können (64 Prozent), liegt die Zahl bei älteren Menschen über 60 deutlich niedriger (48 Prozent). 52 Prozent der Befragten meinen, Alte und Kranke könnten sich mehr zum Freitod gedrängt fühlen, um anderen nicht zur Last zu fallen, wenn die Politik Sterbehilfe durch Ärzte freigebe.

Mitte Januar kam eine Umfrage im Auftrag der DAK-Gesundheit zu teils noch höheren Zustimmungswerten. Damals befürworteten 70 Prozent der Befragten Sterbehilfe.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) bekräftigte im "Spiegel" seinen Ruf nach einem Verbot organisierter Sterbehilfe: "Es darf nicht sein, dass Selbsttötung gleichsam als Behandlungsvariante neben anderen angeboten wird."

In ähnlicher Weise äußerten sich CDU-Generalsekretär Peter Tauber und Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU). Begleitet von intensiver Debatte sollen im Bundestag Anträge zu dem Thema erarbeitet und ohne Fraktionszwang abgestimmt werden.

SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann ließ erkennen, dass er gegen ein generelles Verbot der Sterbehilfe ist. "Gesetzlich können wir nur regeln, was nicht sein darf - nämlich aggressive Werbung und Kommerzialisierung."

Derweil verdichten sich die Zeichen, dass eine Regelung der Sterbehilfe nicht vor 2015 Gesetz werden wird. Führende Koalitionspolitiker seien sich einig, dass der Bundestag in diesem Jahr zunächst eine breite Diskussion über die Sterbehilfe führen solle, berichtet die "Westdeutsche Allgemeinen Zeitung" (WAZ) am Montag.

Bereits vor zwei Wochen war bekannt geworden, dass die Koalitionäre der Debatte mindestens ein Jahr Zeit geben wollen. Geplant ist demnach etwa eine Expertenanhörung, an der alle Abgeordneten teilnehmen können sollen. (eb/dpa)

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