Ärzte Zeitung, 03.12.2014
 

Assistierter Suizid

Kein neues Gesetz wäre besser als ein schlechtes

Jede Gesetzgebung zum assistierten Suizid kann nur die "am wenigsten schlechte" sein. Das ist die sich abzeichnende Meinung im Deutschen Ethikrat. Die Ärzte sollten die gesellschaftliche Debatte nutzen und sich ihrer eigenen Haltung vergewissern.

Von Anno Fricke

Organisierte Hilfe zum Suizid

Organisationen: Dignitas Deutschland („Dignitate“), Sterbehilfe Deutschland (Dr. Roger Kusch),Uwe Christian Arnold, Peter Puppe sowie mindestens elf weitere, anonym arbeitende Vereinigungen.

Geleistete Suizidhilfe: Rund 700 Fälle von assistierten Suiziden sind seit Mitte der 90er Jahre dokumentiert. Mehr als 200 werden dem Urologen Dr. Uwe Christian Arnold zugeschrieben.

Preise: Dignitas Deutschland (Aufnahmegebühr 120 Euro; Monatsbeitrag 20 Euro); Sterbehilfe Deutschland (ärztliche Begutachtung 1500 Euro, Mitgliedschaften zwischen 2000 und 7000 Euro oder Jahresbeiträge von 200 Euro). (Quelle: Deutscher Ethikrat)

Die letzten Fragen des Lebens sind möglicherweise weniger regelungsbedürftig, als die offizielle Regierungspolitik und die verfasste Ärzteschaft dies im Moment sehen.

Dafür gibt es mehrere Indizien. Neue Umfragen unter Ärzten, aber auch Stimmen aus dem Deutschen Ethikrat stellen in Frage, dass es für Ärzte ausgeschlossen sei, bei einem Suizid zu assistieren.

Die Regierung plant, wie schon in der vergangenen Legislaturperiode, eine gesetzliche Regelung des assistierten Suizids, landläufig auch Sterbehilfe genannt. Der Bundestag wird sich ab Februar mit fünf, zum Teil fraktionsübergreifenden Anträgen dazu auseinandersetzen. Durchgehend fordern die Parlamentarier, die organisierte Sterbehilfe unter Strafe zu stellen, oder sie zumindest strengeren Regeln zu unterwerfen.

Gleichzeitig soll Ärzten in diesem Punkt mehr Rechtssicherheit zuteil werden. Ärzte, die im Einzelfall einem schwer kranken Patienten helfen, sein Leben zu beenden, sollen wie bisher straffrei ausgehen und auch standesrechtlich nicht belangt werden können, wie dies die Vorgaben der Bundesärztekammer und der Mehrheit der Landesärztekammern eigentlich vorsehen.

Einfach wird die von Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) zu Beginn seiner Amtszeit angestoßene Debatte nicht. Zum einen gibt es neuerdings Kritik aus dem Deutschen Ethikrat an dem geplanten Gesetzgebungsverfahren, zum anderen ist die Haltung in der Ärzteschaft alles andere als eindeutig.

Doch der Reihe nach: Der Ethikrat hat sich in seiner Sitzung vergangene Woche des Themas angenommen - und viele der von verschiedenen Seiten vorgetragenen Argumente abgeräumt. Noch im Dezember wollen die Sachverständigen eine Ad Hoc-Empfehlung abgeben. Darauf warten viele noch nicht ausreichend orientierte und noch unentschlossene Abgeordnete des Bundestages.

Dringender Regelungsbedarf? Fehlanzeige!

Einen dringenden Regelungsbedarf scheinen die Gelehrten nicht zu sehen. Der Freiheitsgrundsatz, der in Deutschland für den ärztlich assistierten Suizid gelte, sei eine gute Lösung, sagte die Vorsitzende des Gremiums, Professor Christiane Woopen. Wenn der Suizid nicht strafbar sei, sei auch die Beihilfe zum Suizid nicht strafbar, solange der Akt frei verantwortet werde.

Zudem gebe es keine gesellschaftlichen Fehlentwicklungen, die einer strafrechtlichen Regulierung bedürften, fasste Woopen die Ergebnisse der Sitzung zusammen. Sie bezog sich damit auf das Argument, das Vorhandensein legaler Angebote zur Sterbehilfe übe Druck auf schwer kranke Menschen aus, endlich zu gehen.

Tatsache ist, der assistierte Suizid ist heute rechtens, solange der Suizidwillige die Tatherrschaft inne hat. Ein Massenphänomen Suizidbeihilfe ist dennoch weit und breit nicht auszumachen. Im Ethikrat wurde eher davor gewarnt, regelrechte Normalfälle eines erlaubten assistierten Suizids per Gesetz zu definieren. Erst das schaffe die Voraussetzungen, kranke Menschen sozusagen mit Rückendeckung eines Rechtsguts zum Suizid zu drängen.

Das kann auch bedeuten, dass die Gesellschaft organisierte Sterbehilfe hinnehmen muss - auch wenn die Vorstellung schwer erträglich ist. Die vom Bundestag ausgehende Debatte wird die Ärzteschaft zwingen, das Thema erneut aufzugreifen. Ihr Meinungsbild ist nämlich alles andere als eindeutig.

Die Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Dr. Christiane Woopen, hat sich ausdrücklich an die Spitze der Bundesärztekammer gewandt: In der existenziellen Ausnahmesituation, in der ein unheilbar kranker Mensch seinem Leben ein Ende setzen möchte, sollte ein Arzt ihm helfend zur Seite stehen können - nicht, weil ihm eine gesetzliche Norm ihm dies gebiete, sondern weil er eine Gewissensentscheidung treffe.

Ärzte tun Gutes und reden nicht darüber

Bundesärztekammerpräsident Professor Frank Ulrich Montgomery wird nicht müde, auf das standesrechtliche Verbot des ärztlich assistierten Suizids zu verweisen. Nur: Bislang haben erst zehn von 17 Landesärztekammern diesen Beschluss des Ärztetages von 2011 in ihre Regularien übernommen.

Dass einem Arzt wegen einer derart weit reichenden Auslegung des Arzt-Patienten-Verhältnisses die Approbation entzogen worden wäre, ist nicht bekannt. Es ist deshalb überhaupt nicht klar, ob das Bundesverfassungsgericht einen solchen Eingriff des Standesrechts in die Berufsausübungsfreiheit überhaupt billigen würde.

Es scheint eher so zu sein: Die Ärzte tun Gutes und reden nicht darüber. Bei einer wissenschaftlich motivierten Umfrage bekannte sich gerade ein Arzt zu einer Beihilfe. Absurd wenig, möchte man meinen. Denn die anekdotische Evidenz sagt etwas anderes. Das Bild bleibt unscharf. Nur fünf von 17 Landesärztekammern haben sich an der Untersuchung "Ärztliche Handlungspraxis am Lebensende" beteiligt.

Dabei haben rund 40 Prozent der befragten mehr als 700 Ärzte bejaht, sich vorstellen zu können, bei einem Suizid zu assistieren, 33 Prozent lehnten ein striktes Verbot ab, 40 Prozent zeigten sich in dieser Frage nicht entschieden. Es besteht großer Diskussionsbedarf - auch unter Ärzten.

Lesen Sie dazu auch:
Assistierter Suizid: Nur jeder vierte Arzt ist für ein Verbot

[11.12.2014, 21:40:24]
Dr. Wolfgang P. Bayerl 
zur Erinnerung, nicht nur Hypokrates, auch das haben wir unterzeichnet:
"Deklaration von Lissabon zu den Rechten des Patienten"
(Weltärztebund, Oktober 1981 / September 1995)

Hierin kann man z.B. unter Punkt 4 c) wörtlich lesen:
"Ärzte sollten jedoch immer versuchen, das Leben eines nach einem Selbstmordversuch bewußtlosen Patienten zu retten." zum Beitrag »
[11.12.2014, 21:14:10]
Dr. Wolfgang P. Bayerl 
Lieber Herr Jurist @Lutz Barth, mit scheint, Sie verwechseln hier etwas!
Ganz abgesehen davon , dass Sie weder Richter noch Gesetzgeber sind, die "Rechtsetzung" macht hier NICHT der Arzt, er ist nur von der sehr ärztefeindlichen Rechtsprechung BETROFFEN.
Wir sind uns ja wenigstens einig, dass Sie hier einen Tötungsdelikt von Ärzten verlangen, siehe Körperverletzung bei Lebensrettung.
Mir hat letzte Woche ein Kollege erzählt, dass wegen einer VERMEINTLICHEN Fehldiagnose bei einer Patientin vor ca, 6 Monaten beim ihm plötzlich die Staatsanwaltschaft publikumswirksam unangemeldet in der Praxis stand um vor Ort, wie immer ohne jeden medizinischen Sachverstand, zu dieser Frage der zurückliegenden Diagnose zu ermitteln. Da ist dann zwar nicht rausgekommen, bis auf den Immage-Schaden, es sei, wie man hört, schlicht preiswerter gewesen, als einen Anwalt zu bemühen.
Der Staatsanwalt ist preiswerter, so weit ist es gekommen, für den durch Krankheit geschädigten.
Nun, ein gewisser berühmter deutscher Internist Heilmeyer, Sie werden ihn ganz sicher nicht kennen, ist im Urlaub am Gardasee an einem nicht erkannten Pneumothorax gestorben. Nur hat da niemand daran gedacht, die Mordkommission zu allarmieren.
Nun gibt es bei Beweisproblemen im Falle von Ärzten, sozusagen als Konkurrenz zur Krankheit selbst, ja noch die äußerst praktische Umkehr der Beweislast, selbst wenn ....
Also wer muss hier seine Hausaufgaben machen um Tötungsdelikte zu ermöglichen???
Ihre Formulierung Lex Montgommer ist daher eine provozierende Unverschämtheit.
Sie können als Jurist ja gerne den Eid des Hypokrates in den Boden stampfen und aus schwarz weiß machen,
nur können Sie das nicht von Ärzten verlangen, das hat was mit Berufsethik zu tun.
Haben Sie schlicht nicht verstanden. Kann man von einem Jurist auch nicht erwarten.
 zum Beitrag »
[09.12.2014, 08:03:00]
Lutz Barth 
Entrechtung der Ärzteschaft nicht beabsichtigt!
Offensichtlich ist das Problem nicht hinreichend verstanden worden! Es geht ausdrücklich nicht um die Entrechtung der Ärztinnen und Ärzte, wie ein Mitkommentator hier meint, „platt“ in den Raum zu stellen, sondern vielmehr um einen adäquaten Rechtsschutz vor einer schier entfesselten „Rechtsetzung“ durch die eigenen Kammern.

Keiner redet davon, dass Selbstbestimmungsrecht der Ärzte zu Grabe tragen zu wollen noch dieses zu marginalisieren. Vielmehr entzündet sich meine Kritik daran, dass einige Ärztefunktionäre meinen, einfach mal so über die Grundrechte ihrer Kolleginnen und Kollegen hinwegfegen zu können.

Es gibt weder eine „lex Montgomery &. Co“ , geschweige denn das Bedürfnis, unmittelbar das Grundrecht der ärztlichen Gewissensfreit auf null zu reduzieren!

Das gebetsmühlenartige Wiederholen von Irrationalitäten in der Debatte führt nicht dazu, dass die sattsam und hinlänglich bekannten, aber eben auch entmythologisierten Argumente sog. ethischer Obergelehrter rationaler werden.

Nochmals zur Klarstellung: Im Rahmen des Diskurses geht es zugleich auch um die Qualität der Normsetzung durch die Kammern und deren Verpflichtung, Grundrechte ihrer eigenen Mitglieder zu wahren! Hieran ermangelt es und da dem so ist, muss der parlamentarische Gesetzgeber aktiv werden, um der ethischen Gleichschaltung eines gesamten Berufsstandes ein Ende bereiten zu können.

Mit der von den Ärztefunktionären einschl. der Delegierten auf den Weg gebrachten „Verbotsnorm“ werden die ärztlichen Kolleginnen und Kollegen zentraler Grundrechte beraubt und ich persönlich meine, dass dies für sich genommen schon ein unglaublicher Vorgang darstellt, hätte man/frau damit doch rechnen können, dass sich allen voran die BÄK fundiert beraten lässt, bevor diese ihren Initiativantrag auf dem Deutschen Ärztetag 2011 präsentiert und zur Abstimmung stellt.

Auch Ärztinnen und Ärzte haben ein Gewissen und es skandalös, wenn Kollegen sich zu „ethischen Zuchtmeistern“ aufschwingen, um eben eine Gewissensentscheidung beugen zu können.

Die BÄK sollte sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren und sofern diese meint, einen Beitrag zu einer brisanten bioethischen Debatte leisten zu müssen, sollte dieser jedenfalls den wissenschaftlichen Standards genügen und nicht – wie leider festzustellen -, unter dem Deckmantel der „Arztethik“ Glaubensansichten und –botschaften zu verkünden, die einer rationalen Überprüfung nicht standhalten!

Sofern im Übrigen die Frage aufgeworfen wurde, warum der Heileingriff zunächst tatbestandlich als Körperverletzung zu qualifizieren ist, dürfte alles „gesagt“ sein. Freilich gilt dies auch für eine lebensrettende Op und sofern hier ein weiteres Informationsbedürfnis besteht, würde ich doch empfehlen wollen, sich aus allgemein zugänglichen Quellen zu informieren. Dies gilt auch für die Frage, wann strafbare Handlungen als Tötungsdelikte zu werten sind.
 zum Beitrag »
[07.12.2014, 00:08:13]
Dr. Wolfgang P. Bayerl 
also wenn die rettende Blinddarm-Op eine Körperverletzung ist,
was ist dann juristisch die aktive Tötung? zum Beitrag »
[06.12.2014, 00:58:18]
Dr. Wolfgang P. Bayerl 
Herr Jurist, Sie wollen sagen, das Selbstbestimmungsrecht gilt für alle, nur nicht für Ärzte!
Ärzte haben gefälligst zu gehorchen? Warum nicht der Nachbar? zum Beitrag »
[05.12.2014, 18:41:33]
Lutz Barth 
Heileingriff als Körperverletzung
Nun – dass zunächst der Heileingriff tatbestandlich als Körperverletzung gewertet wird, halte ich in Anlehnung an die Rspr. des BGH für durchaus angemessen, wird doch hierbei das „Problem“ auf die Rechtsfertigungsebene verlagert. Auch diesbezüglich lasse ich mich von der Vorstellung leiten, dass das Selbstbestimmungsrecht (neben der „Würde“ des Menschen) das ranghöchste Gut ist und demzufolge auch mit Blick auf den Heileingriff (Einwilligung nach erfolgter Aufklärung) seine besondere Bedeutung entfaltet. Zu konzedieren ist, dass ein Teil der Literatur dies anders sieht, wenngleich ich die Argumente aber nicht für durchgreifend halte.

Indes ist für Bescheidenheit resp. vornehme Zurückhaltung in einer der vielleicht wichtigsten bioethischen Debatten der letzten 40 Jahre kein Raum. Es geht einerseits um das Selbstbestimmungsrecht der Patienten und andererseits um gravierende Eingriffe in die Grundrechte der Ärztinnen und Ärzten durch das „Musterberufsrecht“ und in Teilen durch die Verbotsnorm der ärztlichen Suizidbegleitung in einigen Landesberufsrechtsordnungen.

Insbesondere die Normsetzungskompetenz der öffentlich-rechtlich verfassten Kammern muss sich auch an den Maßgaben des Verfassungs- (resp. Landes-)rechts messen lassen und sofern hierbei zentrale Grundrechte unverhältnismäßig eingeschränkt werden, ist entweder die Rechtsaufsicht oder besser noch der parlamentarische Gesetzgeber verpflichtet, korrigierend einzugreifen.

Problematisch freilich ist, dass gerade die BÄK – ansonsten in anderen Themen um Verfassungstreue bemüht – ohne jedwede Bedenken Eingriffe u.a. in das Grundrecht der ärztlichen Gewissensfreiheit nicht nur befürwortet, sondern diese selbst initiiert hat. Ein Umstand, der – wie bereits mehrfach betont – aus meiner Sicht schlicht ein Skandal ist und entsprechende Konsequenzen nach sich ziehen muss.
Das kategorische Verbot ist m.E. verfassungswidrig, auch wenn wir prinzipiell dem „Ersatzgesetzgeber“ einen beachtlichen Spielraum einzuräumen bereit sind, die intraprofessionellen Angelegenheiten weitestgehend selbständig zu regeln.

Das „ethische Zwangsdiktat“ – und ein solches ist es – ist nicht hinnehmbar und die BÄK sollte schleunigst die Gunst der Stunde ergreifen, nochmals eine innerärztliche Debatte zu führen und hierbei auf externen Sachverstand – will heißen, auf qualifizierte verfassungsrechtliche Kompetenz – zu setzen, nachdem offensichtlich die bei den Kammern tätigen Juristen keinen Schneid besitzen, gegenüber ihrem Dienstherrn Tacheles zu reden und unmissverständlich darauf hinweisen, dass der rechtsethische Grundstandard unseres Grundgesetzes mit all seinen Implikationen jedenfalls eine andere berufsrechtliche Norm gebietet, die nicht in einer Zwangsethisierung und ethischen Gleichschaltung mündet.

Allerdings steht zu befürchten an, dass die BÄK mittlerweile bereit ist, einen kleinen „Aufstand“ zu proben und eben keine weitere Diskussion zu führen bereit ist. Erst unlängst hat der Präsident der BÄK verkündet, dass die BÄK keine Initiative anstoßen wird.
Nun – diese Haltung lässt durchaus „tief blicken“ und es fragt sich, wer den Mut besitzt, endlich der BÄK und damit dem Präsidenten die Grenzen aufzuzeigen!

Das Motto lautet eben nicht: „er kam, sprach und Monolog“, sondern in einer offenen Gesellschaft mit unterschiedlichen Wertvorstellungen gilt das Toleranzprinzip und dies freilich auch für sog. „ethische Überzeugungstäter“, die um ihrer Werte willen bereit sind, ethischen Zwang auf die eigene Kollegenschaft auszuüben!
 zum Beitrag »
[05.12.2014, 17:46:01]
Dr. Wolfgang P. Bayerl 
Jurist Lutz Barth, solange auch lebensrettende Heileingriffe ein juristisches Strafrisiko darstellen,
sollten Sie sich bitte etwas bescheidener aufführen und so alte Zöpfe wie Körperverletzung mit staatsanwaltlicher Untersuchung reformieren!

Bravo, Dr. Peter Krubasik ! zum Beitrag »
[04.12.2014, 11:28:19]
Dr. Peter Krubasik 
Ärztlich assistierter Suicid - warum ärztlich ?
Das Thema wird - Gott sei Dank- seit Jahren in allen gesellschaftlichen Schichten ausführlich diskutiert. Was sich mir nie erschlossen hat : Warum soll gerade der Arzt/die Ärztin beim Suicid assistieren ?
Die Entscheidung zum Suicid liegt immer beim Patienten, für die Herstellung und Lieferung des tötlichen Giftes ist der Apotheker zuständig, das Reichen des Giftbechers kann (ganz nach Wunsch des Patienten) jeder Angehörige oder eine sonstige Vertrauensperson übernehmen (im Einzelfall kann das auch der Arzt sein). Die Aufgabe des betreuenden Arztes ist es in erster Linie, das Sterben für den Patienten erträglich zu gestalten, mit Hilfe von Medikamenten im Rahmen einer fürsorglichen Betreuung.
Lassen wir uns als Ärzte nicht in die Rolle des "Spezialisten für den Suicid" drängen, weder von der Politik noch von der Öffentlichkeit !

Dr. med. Peter Krubasik
Facharzt für Allgemeinmedizin


 zum Beitrag »
[04.12.2014, 08:11:57]
Lutz Barth 
BÄK und Landesärztekammern geraten in den Fokus der Kritik!
Es wurde auch Zeit, dass nach Jahren einer Endlosdebatte endlich jemand mehr oder minder offen einen weiteren „Diskussionsbedarf“ über die Frage der „Sterbehilfe“ innerhalb der verfassten Ärzteschaft anmahnt, nachdem eigentlich sich die BÄK sicher darin glaubte, dass nach dem Beschluss auf dem Deutschen Ärztetag 2011 es fortan keinen weiteren Diskussionsbedarf mehr gäbe.

Es kann nicht darüber hinweg getäuscht werden, dass die BÄK mit ihrer rigorosen Werthaltung und dem Festhalten an der Verbotsnorm des § 16 Ä-MBO jedenfalls nicht auf ungeteilten Zuspruch ihrer ärztlichen Kolleginnen und Kollegen hoffen darf und dass die scheinbare demokratische Legitimation des Verbots der ärztlichen Mitwirkung an einem frei verantwortlichen Suizid nicht mehr verfängt! Ärzte wollen zumindest sicher gestellt wissen, dass auch ihre Gewissensentscheidung respektiert und toleriert und nicht durch ein ethisches Zwangsdiktat – initiiert durch hochrangige Ärztefunktionäre – gebeugt wird.

Die BÄK wäre gut beraten, sich ein Stück weit in der Debatte zurückzunehmen und vielmehr dafür zu „werben“ und zu „plädieren“, dass die eigens bei der BÄK eingerichtet Zentrale Ethikkommission – so wie der Deutsche Ethikrat – sich demnächst zu einer Stellungnahme durchringt, und zwar ungeachtet irgendwelcher Vorgaben resp. Weisungen der BÄK. Letzteres zu betonen, mag zwar ungebührlich erscheinen, ist doch die Zentrale Ethikkommission auch in ihren Empfehlungen frei, wenngleich ein Gefühl des Unbehagens bleibt, warum gerade diese Ethikkommission in einer höchst brisanten bioethischen Frage bisher davon Abstand genommen hat, ein unabhängiges Statement abzugeben.

Gerade der „ethische Flickenteppich“, der allgemeinhin mit den unterschiedlichen ärztlichen berufsrechtlichen Regelungen zu identifizieren ist, dürfte hinreichend Anlass genug sein, sich „zentral“ (!) diesen Fragen zu widmen.

Überdies sollte nicht in Vergessenheit geraten, dass neben der allgemeinen Debatte über „Sterbehilfe“ die Ärzteschaft ein Interesse daran haben müsste, ob das Verbot der ärztlichen Suizidassistenz überhaupt den verfassungsrechtlichen Anforderungen standhält. Immerhin sind hochrangige Grundrechte der Ärztinnen und Ärzte betroffen und es fragt sich nach wie vor, ob diese Grundrechtsbeeinträchtigungen einer verfassungsrechtlichen Überprüfung standhalten.

Die BÄK sollte ihren „Widerstand“ aufgeben und sich einer grundlegenden Debatte unter geänderten Vorzeichen stellen!

Angesichts der Bedeutung insbesondere der ärztlichen Gewissensfreiheit und dem Umstand, dass ggf. das „Berufsrecht“ in der „Musterberufsordnung“ in Teilen jedenfalls verfassungsrechtlich mehr als bedenklich ist, sollte das Thema im nächsten Jahr auf die Tagesordnung des Deutschen Ärztetages gesetzt werden!

Und mit Verlaub: Der Autor A. Fricke ist weit davon entfernt, die Ärzteschaft zu irgendeiner Tätigkeit drängen zu wollen! Er hat es vielmehr verstanden, in seinem Beitrag darauf hinzuweisen, dass nach wie vor großer Diskussionsbedarf auch unter den Ärzten besteht!

Dies ist nachhaltig zu begrüßen, nicht zuletzt auch deswegen, weil die BÄK nunmehr auch die Chance nutzen sollte, ihren "ethischen Irrweg" zu verlassen und sich zum Recht der individuellen Gewissensentscheidung ihrer Kolleginnen und Kollegen zu bekennen! Alles andere wäre kaum hinnehmbar, benötigt doch die freie Ärzteschaft keine "ethischen Zuchtmeister"!!!
 zum Beitrag »
[04.12.2014, 00:25:10]
Dr. Wolfgang P. Bayerl 
was etwas irritiert, Anno Fricke, dass Sie geradezu Ärzte zu eine Tätigkeit drängen wollen,
wo man ihnen sonst doch permanent misstraut, z.B. mit dem Hinweis für Operationsempfehlung immer mehr nach einer Zweitmeinung zu drängen.
Wie passt das zusammen?
Der einzige gemeinsame Nenner, das muss schon der Verdacht des so bearbeiteten Arztes sein,
bitte Geld sparen. zum Beitrag »

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