Ärzte Zeitung online, 31.01.2017

Innovationsfonds

SAPV-Studie: Maßstab für Qualität gesucht

Was bringt die SAPV für Erwachsene, was bringt sie für Kinder und Jugendliche? Ein aus dem GBA-Innovationsfonds finanziertes Forschungsprojekt in Hessen soll Licht ins Dunkel bringen.

Von Christoph Fuhr

WIESBADEN. Der Fachverband SAPV (Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung) Hessen wird aus dem Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA) Fördermittel in Höhe von rund 1,25 Millionen Euro erhalten. Unterstützt wird mit dieser Summe das Projekt ELSAH – Evaluation der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung am Beispiel von Hessen, das der Fachverband mit mehreren Projektpartnern starten will.

Dabei geht es nach Angaben von Verbands-Geschäftsführerin Michaela Hach vor allem darum, einen umfassenden Überblick über die SAPV-Versorgungssituation zu gewinnen. Hierfür werden Datensätze des Fachverbandes Hessen ausgewertet. Auf wissenschaftlicher Grundlage soll eine standardisierte Methode entwickelt werden, deren Bedeutung im Erfolgsfall weit über Hessen hinaus- geht. Funktioniert das Projekt, kann die Qualität der SAPV bundesweit gemessen werden.

Die Studie rückt darüber hinaus eine Gruppe von Betroffenen in den Fokus, deren spezielle Bedürfnisse beim Aufbau von Versorgungsstrukturen bisher nur unzureichend berücksichtigt worden sind. Es geht dabei um schwerstkranke Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. "Für diese spezielle Patientengruppe haben wir in Hessen inzwischen eine flächendeckende Versorgung erreicht", sagt Michaela Hach. Es handele sich auch mit Blick auf die große Vielfalt an Krankheitsbildern um eine extrem anspruchsvolle Aufgabe.

Für die vom Gemeinsamen Bundesausschuss erlassene SAPV-Richtlinie sollen Empfehlungen formuliert werden, wie die Interessen dieser jungen Patienten von den Bedürfnissen schwerstkranker erwachsener Menschen abgegrenzt werden können.

Der SAPV-Rechtsanspruch für eine Versorgung von unheilbar kranken Menschen existiert seit 2007, lange Zeit existierte diese Anspruchsberechtigung aber nur auf dem Papier. Die Strukturen der SAPV sind bundesweit regional völlig unterschiedlich und funktionieren immer noch nicht vollkommen flächendeckend. Hessen ist aus Sicht von Michaela Hach auch deshalb für das Projekt ELSAH gut aufgestellt, "weil alle Leistungserbringer gemeinsam an einem Strang ziehen". Der Fachverband Hessen hat für alle Mitglieder ein Mandat für SAPV-Vertragsverhandlungen mit den Verbänden der GKV.

Zu den Partnern für das Projekt ELSAH gehören unter anderem Professor Ferdinand Gerlach und weitere Mediziner von der Uni Frankfurt, Ärzte der Uni Marburg und eine Mitarbeiterin von der Regionalmanagement Nordhessen GmbH.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Palliativversorgung: Ein ehrgeiziges Projekt

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