Ärzte Zeitung online, 23.06.2017
 

Suizidprävention

Koalition und Grüne für mehr schnelle Hilfe

BERLIN. SPD, Union und Grüne im Bundestag wollen die Suizidprävention in Deutschland stärken. Der interfraktionelle Antrag soll am Freitag im Bundestag verabschiedet werden.

Mehr als 90 Prozent der Menschen, die Suizid begehen, litten an einer psychischen Erkrankung und mehr als 80 Prozent von ihnen seien bis zu ihrem Tod nicht behandelt worden. Und bei Männern zwischen 18 und 25 Jahren stellt der Suizid die zweithäufigste Todesursache dar.

Menschen in psychischen Krisen benötigen "eine niedrigschwellige und schnelle Hilfe", heißt es. Gleichwohl bleiben die Forderungen überwiegend vage oder haben eher appellativen Charakter.

Die drei Fraktionen sprechen sich für mehr Förderung von Forschung zur Suizidprävention aus und wollen, dass die nationale Präventionskonferenz entsprechende Modellvorhaben konzipiert. Auch will man dafür eintreten, dass das Thema in der Aus-, Fort- und Weiterbildung aller Gesundheits- und Sozialberufe berücksichtigt wird.

Thema nicht für Parteienstreit nutzen

"Das Thema Suizidprävention eignet sich nicht für den Parteienstreit", kommentiert Maria Klein-Schmeink, gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen, den Antrag.

Bereits bei den Verhandlungen zum aktuellen Bundeshaushalt hatte die Koalition sich interfraktionell geöffnet: Auf grüne Initiative wurde im BMG-Haushalt ein Förderschwerpunkt Suizidprävention geschaffen, der 2017 mit 500.000 Euro ausgestattet ist. In den folgenden drei Jahren sollen es dann jeweils eine Million Euro sein.

Keinen Konsens erreichten die drei Fraktionen bei der Finanzierung von Dolmetschern für Menschen mit Migrationshintergrund. Die Grünen drängten darauf, dass die Kosten einer psychotherapeutischen Behandlung von den Kassen übernommen werden – die Koalition habe dies abgelehnt, bedauert Klein-Schmeink.

An der Union sei es gescheitert, dass nicht auch die Linksfraktion für den Antrag mit ins Boot geholt werden konnte, so die Grünen-Politikerin. Im Jahr 2015 sind in Deutschland 10.080 Menschen durch Suizid gestorben. Die Zahl der Suizidversuche wird auf rund 100.000 im Jahr geschätzt.(fst)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Wie Grippeviren ihr Erbgut steuern

Forscher haben nachgewiesen, wie Gene von Influenza-A-Viren an- und abgeschaltet werden. Die Erkenntnisse sollen die Entwicklung neuer Therapien vorantreiben. mehr »

Mehr Transparenz soll die Wogen der SPRINT-Studie glätten

Der Streit um die SPRINT-Studie hält an. Im Fokus steht die genutzte Methode der Praxisblutdruckmessung, um die sich Gerüchte rankten. Jetzt hat die SPRINT-Gruppe für mehr Transparenz gesorgt. mehr »

Vorsorge für den Brexit – Ansturm auf das Aufenthalts-Zertifikat

Viele Gesundheitsfachkräfte aus EU-Ländern haben Großbritannien schon verlassen. Diejenigen, die bleiben wollen, versuchen nun, das "Settled-Status"-Zertifikat zu erlangen. mehr »