Ärzte Zeitung online, 03.05.2019

Nordrhein

Hausärzte bei neuer SAPV-Struktur nicht ausbooten

In Nordrhein fürchten die Akteure der Palliativversorgung um gewachsene Strukturen der Versorgung. Hausärzte müssten Bezugsärzte in der SAPV bleiben.

KÖLN. Der für den Herbst angekündigte bundeseinheitliche Rahmenvertrag zur spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) darf nicht zu einer Gefährdung etablierter regionaler Versorgungsstrukturen führen, fordert die Arbeitsgemeinschaft (AG) „Ambulante Palliativversorgung“ in Nordrhein. Sie hat ein Positionspapier mit Empfehlungen zur Weiterentwicklung der SAPV publiziert.

Der AG gehören Hausärzte und Palliativmediziner sowie Vertreter von Pflege- und Hospizdiensten, Kliniken, der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, der AOK Rheinland/Hamburg und der KV Nordrhein (KVNo) an. Sie sprechen sich für den Erhalt des in Nordrhein in den vergangenen Jahren aufgebauten ambulanten Versorgungsnetzes für Palliativpatienten aus. „Wir möchten nicht, dass die in Nordrhein gut funktionierende SAPV dem kleinsten gemeinsamen Nenner auf Bundesebene geopfert wird“, betonen sie in einer gemeinsamen Erklärung.

In dem Positionspapier schlägt die AG die Aufnahme einer Klausel zur Berücksichtigung regionaler Besonderheiten in den Rahmenvertrag vor, „um die vor Ort gewachsenen vernetzten Versorgungsstrukturen zu erhalten oder wo nötig weiterzuentwickeln“. Zu den weiteren „Empfehlungen für eine patientenorientierte, spezialisierte ambulante Palliativversorgung“ gehört, dass der Hausarzt als „Bezugsarzt“ auch in der SAPV Ansprechpartner der Patienten bleiben soll.

„Ein Ausschluss des Hausarztes würde willkürliche Brüche in der Versorgung erzeugen“, warnen die Autoren. Sie machen sich auch dafür stark, dass die SAPV-Teams auch künftig verpflichtet werden, mit ambulanten Hospizdiensten verbindlich zusammenzuarbeiten.

Ein weiterer Vorschlag: „Zur Sicherung der Qualität sollten bundesweit konsentierte und evidenzbasierte Qualitätskriterien entwickelt und verpflichtend eingeführt werden.“ Dazu könnten Qualitätsindikatoren und Outcome-Kriterien gehören.

„Nordrhein war Pionier und Wegweiser für die hochprofessionellen SAPV-Strukturen, die wir heute fast flächendeckend haben“, sagt der Vorstandsvorsitzende der KVNo Dr. Frank Bergmann. „Wir wollen das Niveau der Versorgung unbedingt erhalten und werden uns zusammen mit unseren Partnern für deren Erhalt einsetzen.“ (iss)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Auf dem Weg zum Bluttest

Demenz-Diagnose ganz einfach per Biomarker: Serumtests auf Beta-Amyloid und Tau könnten in naher Zukunft recht genau anzeigen, wer gerade in eine Demenz abgleitet. mehr »

Herzschutz ist auch Schutz vor Demenz

Wer mit 50 Jahren nicht raucht, nicht dick ist, sich gesund ernährt, Sport treibt und normale Blutzucker-, Blutdruck- und Cholesterinwerte hat, der kann seine Hirnalterung um mehrere Jahre verzögern. mehr »

Das Oktoberfest im Gesundheits-Check

Laute Menschenmassen, Hendl und sehr, sehr viel Bier: Kann das noch gesund sein? Ein Blick auf das Oktoberfest aus Gesundheitssicht. mehr »