Ärzte Zeitung, 04.10.2011

Niedersachsens SAPV-Modell nur wenig gefragt

Die Ärztegenossenschaft Niedersachsen Bremen glaubt, ein beispielhaftes SAPV-Modell entwickelt zu haben. Trotzdem ist es schwierig, Kooperationspartner zu finden.

Gute Blaupause für SAPV in Niedersachsen nur wenig gefragt

Ein Hausarzt im Einsatz bei einer schwerkranken Patientin. Die SAPV flächendeckend einzuführen ist immer wieder mit Schwierigkeiten verbunden.

© Rose

WESTERSTEDE (cben). Palliativversorgung als Kopiervorlage: Die Ärztegenossenschaft Niedersachsen Bremen (ägnw) bietet ihr gut funktionierendes SAPV-Modell als Blaupause anderen Ärztenetzen an. Aber die lehnen ab.

Mit dem Pflegestützpunkt Ammerland/Uplengen hat die Ärztegenossenschaft Niedersachsen-Bremen eine eigene SAPV-Struktur aufgebaut - "und zwar mit sehr guter Verankerung bei den Hausärzten, Pflegediensten und den Apotheken" wie Hausarzt Dr. Matthias Kreft von der Genossenschaft versichert.

Die gute Akzeptanz führt Hausarzt Dr. Paul Kathmann auf den Umstand zurück, "dass nicht eine Schmerzpraxis oder ein Krankenhaus der Träger des Vertrages mit den Kassen ist, sondern die eigens gegründete Plexxon Management gGmbH, die alle beteiligten Ärzte gleichermaßen vertritt", so Kathmann.

Modell kann als Paket übernommen werden

"Andere Ärztenetze könnten unser Modell praktisch als Paket übernehmen", erklärt ägnw-Geschäftsführer Dr. Andreas Rühle, "die Abrechnung liefe über uns, wir würden damit quasi das Backoffice zur Verfügung stellen."

Ihren Namen oder ihr Label würden die kooperierenden Netze nicht hergeben müssen, sondern könnten sie wie gewohnt nutzen. "Die ägnw würde dagegen praktisch nicht in Erscheinung treten", meint Rühle.

Die Genossenschaft wirbt mit Synergieeffekten. "So würden wir Überschüsse generieren, die wir wieder in die gGmbH stecken könnten", sagt Rühle. "Wir sehen in der SAPV darüber hinaus auch die Chance für Ärztenetze, sich zu orientieren und sich als Netz weiter zu entwickeln."

Kaum Interesse gezeigt

In der Region Ganderkesee/Delmenhorst wurde das Modell übernommen. Aber Rühle hat auch in Wilhelmshaven, Nordhorn, Bad Münder und im benachbarten Cloppenburg für sein Modell getrommelt. Aber die Netze zeigten kaum Interesse an dem Masterplan der Plexxon gGmbH.

"Wir haben zusammengesessen mit der ägnw", bestätigt etwa Dr. Lothar Lindemann, Hausarzt und Vorsitzender des Ärztenetzes Deister, südlich von Hannover, "aber wir haben nicht zugesagt. Denn wir sind dabei, eigene Strukturen mit lokalen Anbietern aufzubauen."

Scheu vor Zusatzbelastung zum Praxisalltag

Im Ärztenetz Nordhorn liegen die Dinge anders, die Kollegen scheuen Zusatzbelastungen zum Praxisalltag. Hausärztin Dr. Sigrid Lefering vom Ärztenetz berichtet: "Wir finden derzeit keine Kollegen, die bereit wären, sich neben der Arbeit noch einen Bereitschaftsdienst ans Bein zu binden."

Es fehle nicht am guten Willen, versichert Lefering und sagt mit Blick auf zusätzliche Bürokratie durch die SAPV: "Die Kollegen sind es auch müde, etwas Zusätzliches zu machen, was nicht Medizin ist."

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