Ärzte Zeitung, 16.09.2012

Palliativversorgung

Westfalen-Lippe etabliert Notfall-Liste

Nicht jede Apotheke hat die für Palliativpatienten wichtigen Arzneien immer vorrätig. In Westfalen-Lippe haben sich Ärzte und Apotheker jetzt auf eine Notfall-Liste geeinigt.

Notfall-Liste soll die Versorgung Schwerstkranker erleichtern

Apotheken-Nachtdienst: Alle wichtigen Medikamente vorhanden?

© ABDA

KÖLN (iss). In Westfalen-Lippe haben Ärzte und Apotheker eine wichtige Lücke in der palliativmedizinischen Versorgung geschlossen.

Die Ärztekammer und die Apothekerkammer Westfalen-Lippe haben sich auf eine Notfall-Liste verständigt, mit deren Hilfe die Mediziner ihre schwerstkranken Patienten im Bedarfsfall auch nachts und am Wochenende mit den notwendigen Arzneimitteln versorgen können.

"Wir wissen von den in der Palliativversorgung engagierten Ärzten, dass es insbesondere in akuten Krisensituationen außerhalb der regulären Öffnungszeiten wichtig ist, schnell an Arzneimittel zu gelangen, die zum Beispiel angstlösend oder schmerzlindernd wirken", sagt Dr. Klaus Reinhardt, Vizepräsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe.

Deshalb halten die Apotheker die vereinbarten Medikamente jetzt rund um die Uhr vor.

Ärzte und Apotheker haben das abgestimmte Vorgehen bereits in einigen Städten erprobt, darunter Dortmund und Hamm.

"Dabei geht es auch um Arzneimittel, die selten oder nie in der Apotheke verlangt werden, die im Falle eines Falles aber schnell für den Palliativpatienten verfügbar sein müssen", erläutert die Präsidentin der Apothekerkammer Westfalen-Lippe Gabriele Regina Overwiening.

Die Erfahrungen aus den Modellregionen sind in die jetzt auf ganz Westfalen-Lippe ausgerollte Kooperation eingeflossen. An ihr sollen sich möglichst alle 2165 Apotheken beteiligen.

In Westfalen-Lippe haben Haus- und Palliativärzte in den vergangenen Jahren ein flächendeckendes Netz für die ambulante und die spezialisierte palliativmedizinische Versorgung der Patienten aufgebaut. Die Notfall-Liste mit Arzneimitteln kommt dem Bedarf der dort engagierten Mediziner entgegen.

An dem Kooperationsprojekt beteiligen sich auch der Berufsverband der Palliativmediziner in Westfalen-Lippe, die Landesvertretung NRW der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin und alle 30 Palliativmedizinischen Konsiliardienste.

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