Ärzte Zeitung online, 24.12.2013
 

Ambulant in Berlin

Immer mehr angestellte Ärzte

Mehr angestellte Ärzte in der ambulanten Versorgung, weniger selbstständige Ärzte: Die Strukturen in Praxen und Versorgungszentren der Hauptstadt wandeln sich.

Von Angela Misslbeck

Zahl der angestellten Ärzte in der ambulanten Versorgung explodiert

Im Team und mit Anstellung: In Berlin entscheiden sich immer mehr Ärzte im ambulanten Sektor dafür.

© Tyler Olson / fotolia.com

BERLIN. Die Arbeitsformen ambulant tätiger Ärzte in Berlin ändern sich deutlich. Beinahe explodiert ist die Zahl der angestellten Ärzte in der ambulanten Versorgung in der Hauptstadt. Das geht aus dem neuen Basisbericht zum Berliner Gesundheitswesen hervor, den die Senatsgesundheitsverwaltung Mitte Dezember vorgelegt hat.

Der Bericht stellt eine "anhaltende Attraktivität der Anstellung" fest. Die Zahl der angestellten Ärzte und Psychotherapeuten in der ambulanten Versorgung schnellte demzufolge von 280 am 1. Januar 2007 auf 1251 zum Jahresbeginn 2013 hoch.

"Das Wachstum der Angestelltensitze korrespondiert mit dem Rückgang der niedergelassenen Arztzahl", so der Bericht weiter. Mit 5955 ärztlichen Niederlassungen war 2012 der bisherige Tiefststand der vergangenen Jahre erreicht.

Die niedergelassenen Psychotherapeuten einschließlich Kinder- und Jugendpsychotherapeuten kamen dagegen zum 1. Januar 2013 auf einen neuen Höchststand von 1755 Zulassungen.

Mehrheit der MVZ in vertragsärztlicher Trägerschaft

Gut die Hälfte der angestellten ambulanten Ärzte in Berlin arbeiten in Medizinischen Versorgungszentren (MVZ). In den insgesamt 145 MVZ, die die Senatsgesundheitsverwaltung zum Jahresbeginn 2013 zählte, waren den Angaben zufolge 180 niedergelassene und 746 angestellte Ärzte und Psychotherapeuten tätig.

In vertragsärztlicher Trägerschaft sind 88 der 145 Berliner MVZ. Das ist nach wie vor eine deutliche Mehrheit. Die Senatsgesundheitsverwaltung weist auf Vor- und Nachteile von MVZ hin.

Das vom Gesetzgeber mit MVZ verfolgte Ziel, das ambulante Angebot mit unterschiedlichen Fachrichtungen "unter einem Dach" für die Patienten zu verbessern, werde bislang erkauft mit der "Abwanderung" von hausärztlichen und fachärztlichen Sitzen aus der angestammten wohnortnahen Versorgung, heißt es in dem Bericht.

Damit greift die Senatsgesundheitsverwaltung eine bekannte Kritik der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Berlin auf. Die Zahl der MVZ in Berlin hat dem Bericht zufolge aber seit 2009 kaum mehr zugenommen. Zudem wurden einigen MVZ die Zulassungen entzogen.

Die Möglichkeiten des Jobsharing scheinen im Gegensatz zur Angestelltentätigkeit inzwischen ausgereizt. Hier stellt der Basisbericht seit 2012 eine Stagnation fest. Die Zahl der Jobsharer stieg demzufolge von 107 Anfang 2007 auf 167 im Jahr 2011, fiel dann auf 152 ab und blieb bei dieser Größenordnung.

Kleine Teilzeitverträge - aber dafür an mehreren Orten parallel

Das Fazit der Senatsgesundheitsverwaltung: "Eine wachsende Zahl von Ärztinnen/Ärzten und Psychotherapeutinnen/-therapeuten nutzt die neu entstandenen Kombinationsvarianten für ihre Berufstätigkeit, beispielsweise parallel angestellt an mehreren Orten tätig zu werden, durch Teilzeitverträge auf halben oder Viertelstellen auf einem oder mehreren Angestelltensitzen an mehreren MVZ oder Praxen."

Auch die seit 2009 bestehende Regelung, einen halben Versorgungsauftrag abzugeben oder zu übernehmen, werde zunehmend angenommen. Anfang 2009 waren dem Bericht zufolge zunächst nur 10 Ärzte und Psychotherapeuten mit hälftigem Versorgungsauftrag tätig. Anfang 2013 zählt der Bericht dagegen bereits 436 inklusive Teilzeitkräfte in MVZ und Jobsharingpartner.

Den Trend zur Kooperation bestätigt der Bericht allerdings vorrangig für den hausärztlichen Versorgungsbereich. 1563 hausärztliche und gut 3740 fachärztliche Einzelpraxen zählte die Senatsgesundheitsverwaltung Anfang 2013. 2009 gab es noch mehr als 1700 hausärztliche Einzelpraxen. Bei den Fachärzten änderte sich dagegen nichts.

Der Rückgang der Einzelpraxen führte seit 2009 aber nicht dazu, dass mehr hausärztliche Berufsausübungsgemeinschaften (BAG) entstanden.

Auch ihre Zahl ging vielmehr geringfügig von 374 auf 365 zurück. Jedoch arbeiten dort nun mehr Ärzte (731 statt 713). Auch in den gleichbleibend gut 530 fachärztlichen BAG arbeiten inzwischen mit insgesamt 1212 Ärzten 70 mehr als 2009.

Wachsenden Zulauf finden zudem die überörtlichen BAG. Von 51 solchen Einrichtungen mit 146 Ärzten und Psychotherapeuten 2009 stieg ihre Zahl auf 70 mit 203 Kooperierenden.

Fachübergreifende BAG an einem Praxisstandort scheinen dagegen in Berlin an Attraktivität zu verlieren. Ihre Zahl sank von 66 mit 189 Ärzten und Psychotherapeuten Anfang 2009 auf zuletzt 52 mit 154 Kooperationspartnern.

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