Ärzte Zeitung, 30.05.2014

Institut für Allgemeinmedizin

"Klein im Kern, groß in der Fläche"

Bei ihrer Antrittsvorlesung in Kiel kündigt die neue Professorin für Allgemeinmedizin viele neue Projekte an ihrem Institut an.

kaduszkiewicz-AH.jpg

Professor Hanna Kaduszkiewicz in Kiel.

© Schnack

KIEL. Die neue Lehrstuhlinhaberin am Institut für Allgemeinmedizin in Kiel, Professor Hanna Kaduszkiewicz, will mit verschiedenen Projekten mehr Nachwuchs für das Fach interessieren.

Im Rahmen ihrer Antrittsvorlesung kündigte Kaduszkiewicz eine engere Zusammenarbeit mit der Berufshilfeerkundung, eine bessere Einbindung in die klinische Medizin und Evaluation der Vorlesungen und Seminare an. Außerdem will sie mehr Studierende für das PJ gewinnen.

In der Forschung arbeitet das Institut, das seit dem Weggang von Professor Ferdinand Gerlach acht Jahre lang an der Spitze verwaist war, an einer Analyse hausärztlicher Vorgehensweisen.

Dabei wird Kaduszkiewicz etwa untersuchen, wie sich Hausärzte bei definierten Konsultationsanlässen, bei bestimmten Patientengruppen und bei speziellen Zielen verhalten. Es wird analysiert, welche Faktoren ihr Handeln beeinflussen und was verändert werden sollte. Kaduszkiewicz strebt auch die Evaluation von Projekten an, die gegen den drohenden Ärztemangel ergriffen werden.

Erreichen will sie ihre Ziele mit einer kleinen Mannschaft aus vier wissenschaftlichen Mitarbeitern, einem Team aus sieben ehrenamtlichen Lehrbeauftragten sowie 86 Hausarztpraxen, die die Arbeit des Instituts unterstützen. Die Praxen sind über das ganze Land verteilt. Als "klein im Kern, aber groß in der Fläche" bezeichnete die Direktorin ihr Institut.

Kaduszkiewicz, die vom Hamburger Institut für Allgemeinmedizin am UKE nach Kiel berufen wurde, ging in ihrer Antrittsvorlesung auch auf den drohenden Ärztemangel in manchen Regionen ein. Sie selbst habe sich noch nicht entschieden, ob es sich um ein reines Mengen- oder auch um ein Verteilungsproblem handelt, bekannte Kaduszkiewicz.

Zumindest spiele die Menge aber eine Rolle. "Viele junge Ärzte streben eine Teilzeitstelle an", sagte Kaduszkiewicz zur Begründung. Die in Schleswig-Holstein gestarteten Initiativen von Gemeinden, die selbst als Träger von Arztzentren auftreten können, bezeichnete sie als "ausbaufähiges Modell".

Auf die Frage, wie mehr Nachwuchs für die Allgemeinmedizin begeistert werden kann, nannte Kaduszkiewicz mehrere Ansätze. Zum einen müsse die Allgemeinmedizin an den Unis gestärkt werden: mehr Unterricht sowie ein früherer Kontakt zu Praxen.

Zum anderen finanzielle Hürden abbauen und die aktive Teilnahme des Instituts am Mentorenprogramm der Fakultät, die Betreuung von Doktoranden, die Anstellung studentischer Hilfekräfte und die Bewerbung von Angeboten der DEGAM. (di)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Abwarten schlägt Op

Zumindest in den ersten sechs Jahren nach Diagnose haben Männer mit lokalisiertem Prostata-Ca eine bessere Lebensqualität, wenn sie sich nicht unters Messer legen. mehr »

No deal-Brexit? Dieses Szenario lässt NHS-Angestellte schaudern

Je mehr Zeit in ergebnislosen Verhandlungen verrinnt, desto nervöser werden Beschäftigte vor allem im Gesundheitswesen. Ein Brexit ohne Vertrag mit der EU? Im NHS fürchtet man in diesem Fall ein Desaster. mehr »

Der reine Telearzt kommt

Fernbehandlung ohne Erstkontakt in der Praxis? Im Ländle wird dieses Modell jetzt erstmals getestet. Die Kammer dort hat gerade das erste Projekt genehmigt. mehr »