Ärzte Zeitung, 10.06.2014

Schmerztherapie

"Die Versorgung ist katastrophal!"

BERLIN. Schmerzmediziner haben vor massiven Einbrüchen in der schmerztherapeutischen Versorgung gewarnt. "Die Versorgung ist katastrophal", sagte der Vorsitzende des Berufsverbands der Ärzte und Psychologischen Psychotherapeuten in der Schmerz- und Palliativmedizin (BVSD), Professor Joachim Nadstawek.

Es gebe nur 320 schmerztherapeutische Schwerpunktpraxen in Deutschland. Jede dürfe nur rund 300 Patienten im Quartal betreuen. Die Schmerztherapie in Deutschland entwickele sich negativ, so Nadstawek. Bis 2020 gingen etwa zwei Drittel der heute ambulant tätigen Schmerzmediziner in den Ruhestand.

Bei ihrer Jahrestagung in Berlin haben die BVSD-Delegierten daher erneut eine bundeseinheitliche Honorierung außerhalb der morbiditätsorientierten Gesamtvergütung gefordert. Der Gemeinsame Bundesausschuss solle die Bedarfsplanung dahingehend ändern, dass die schmerztherapeutische Versorgung ausschließlich Spezialisten in Schmerztherapie oder Palliativmedizin vorbehalten werde.

Die schmerztherapeutische Versorgung sei nicht auf dem Radar der Mitglieder des Gesundheitsausschusses, sagte der gesundheitspolitische Sprecher der Linken, Harald Weinberg. Eine Bedarfsanalyse auf den Weg zu bringen schlug Maria Klein-Schmeink von den Grünen vor. Vertreter der Regierungskoalition waren nicht zur Diskussionsrunde gekommen.

Die Zahlen von chronischen Schmerzen betroffener Menschen in Deutschland schwanken zwischen zwei und 17 Millionen. Laut BVSD-Angaben vergehen zwischen Auftreten einer Schmerzkrankheit bis zur richtigen Diagnose im Durchschnitt zwei Jahre. (af)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Alzheimer-Anzeichen schon 25 Jahre vor Ausbruch

Die Alzheimer-Demenz kündigt sich in einigen Formen offenbar lange vor Krankheitsbeginn an. Das bringt Zeit, um die Erkrankung zu verhindern - womöglich sogar zwei Jahrzehnte. mehr »

Konzept der E-Patientenakte steht

Die elektronische Patientenakte nimmt konkrete Formen an. Ärzte, Zahnärzte, Krankenkassen und gematik haben sich auf ein Vorgehen zur Gestaltung der ePA geeinigt. Die Industrie bleibt vorerst außen vor. mehr »

Placebo ist nicht gleich Placebo

Ein Scheinmedikament zu verordnen, gilt manchen Ärzten als anrüchig - andere halten es für legitim. Bei vielen hängt es davon ab, woraus das spezielle Placebo besteht. mehr »